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Aus einer solchen Sichtweise ist der vor allem in den USA praktizierte Ansatz des Verhaltenstrainings von Papageien entstanden. Analog zu der allgemein praktizierten Hundeerziehung empfiehlt z. B. Davis (1989, 1991), einen im Haushalt lebenden Papagei stets im Verhältnis eines Kindes zu seinen Eltern zu sehen. Ihm sollten Grenzen gesetzt werden, seine höchste Sitzstange sollte - zur Vermeidung von Dominanz - nicht höher liegen als der Kopf des Halters, unerwünschtes Verhalten sollte durch Bestrafung (kurzzeitiges Abdecken des Käfigs und währenddessen Vermeidung von verbalem oder visuellem Kontakt zum Halter) quittiert werden. Auf diese Weise seien unerwünschtes Schreien und selbst das Federrupfen zu korrigieren. Niemals solle jedoch ein Vogel wegen seines Fehlverhaltens (z. B. wegen Beißens) geschlagen werden. Dagegen empfiehlt die Autorin, den Vogel nach jedem Beißen sofort in die Einsamkeit des Käfigs zu verbringen und sich fortan kurzzeitig nicht mehr mit ihm zu beschäftigen. Viele unerwünschte Verhaltensabweichungen seien auf diese Weise für den Halter in den Griff zu bekommen. Wo dies jedoch nicht möglich sei, wird die Konsultation eines speziellen Trainers empfohlen, der nicht so sehr den Vogel trainiere, als vielmehr dem Halter Anweisungen für Techniken zur Verhaltensmodifikation vermittle. In die gleiche Richtung weisen auch die Darstellungen von Harrison und Davis (1989), Harrison (1994) sowie Lawton (1996). Mit dieser Sicht der Dinge kann der Verfasser keineswegs übereinstimmen (kritisch auch: Kummerfeld und Siegmann 1990). Papageien sind - zumindest was die importierten Tiere betrifft - Wildtiere mit ihren artspezifischen Verhaltensäußerungen und Ansprüchen. Nur wenige Arten haben bislang den Weg in die Domestikation beschritten, derweil die Mehrzahl der in Menschenobhut lebenden Tiere noch mit dem unverfälschten genetischen "Programm" der wildlebenden Vögel ausgestattet ist. Dies sollte vor der Anschaffung solcher Vögel genauestens bedacht und in der späteren Haltungspraxis entsprechend berücksichtigt werden. Papageien müssen nicht "stubenrein" werden, man braucht ihnen kein Verhaltenstraining zur Minimierung ihrer Naturlaute angedeihen zu lassen, sie können auch nicht für psychische Störungen verantwortlich gemacht werden, die aus unzureichenden Haltungsbedingungen resultieren. Schließlich brauchen Papageien vor allem keine Menschen als "Ersatzpartner", sondern Artgenossen, mit denen artgemäße Sozialkontakte, Sozialspiele, vielleicht auch Brut und Jungenaufzucht möglich sind. Der Pfleger ist selbstverständlich auch Teil eines Haltungssystems für Papageien, seine Rolle sollte jedoch nicht von ständiger Selbstüberschätzung seiner pflegerischen Möglichkeiten geprägt sein, sondern von einem möglichst "gesunden" Verhältnis zum Tier, das dessen ungestörte Entwicklung zuläßt. Nur dann wird es möglich sein, Papageien als biologische Wesen zu verstehen, die gerade durch ihren noch ursprünglichen Wildtiercharakter darauf hindeuten, dass der Mensch sie in eine "Rolle" hineindrängt, für die die Vögel gar nicht geeignet sind.
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