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Es muß zunächst betont werden, dass die Prophylaxe auch im Bereich psychischer Erkrankungen entscheidende Bedeutung hat. Langjährige verhaltensauffällige Vögel sind auch durch das bestausgestattete Haltungssystem nicht von heute auf morgen zu therapieren. Dies gilt besonders für das Ferderrupfen, ein Fehlverhalten, das bei vielen Vögeln mit der Zeit zur Angewohnheit wird und später nur schwer zu durchbrechen ist. Viel Ablenkung, Beschäftigung, Brutmöglichkeiten und die Verpaarung mit eine adäquaten Artgenossen sind erfolgversprechende Maßnahmen. Allerdings sei einschränkend angefügt, dass eine sichere Prophylaxe von Verhaltensauffälligkeiten heute noch nicht möglich ist. Die Zusammenhänge zwischen natürlichem Verhalten und dessen zwangsläufiger Beschränkung in der Haltungspraxis, zwischen sozialen Bedürfnissen der Vögel, jahreszeitlichen und hormonalen Veränderungen, der Bedeutung der äußeren "Rahmenbedingungen" und dem Einfluß des Pflegers usw. sind zu komplex, als dass man sie bisher umfassend hätte verstehen und in die Haltungspraxis umsetzen können. Dementsprechend hat die Prophylaxe psychischer Erkrankungen derzeit noch mit einer Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren zu kämpfen.
4.1.1 Möglichkeiten zur Verhaltensänderung Für beinahe alle zuvor beschriebenen Erscheinungen des gestörten Verhaltens von Papageien in menschlicher Obhut gibt es Möglichkeiten zur Verhaltensänderung. Auszunehmen von dieser Aussage sind in mancher Hinsicht Papageien, die durch isolierter Handaufzucht in ihrer Sozialisation nachhaltig beeinträchtigt wurden, und solche, deren Verhalten durch Domestikationseinflüsse verändert ist. Zur begrifflichen Vereinfachung werden alle Bemühungen in dieser Richtung im folgenden unter dem Begriff "Therapie" zusammengefaßt. Vorausgeschickt sei an dieser Stelle, dass der Verfasser sog. "Verhaltenstherapien" (Erziehung, Verhaltenstraining) für Papageien, wie sie vor allem von der amerikanische Schule vertreten werden (Harrison und Davis 1989), aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnt. Im folgenden wird es deshalb nicht in erster Linie darum gehen, Möglichkeiten zu beschreiben, die das Zusammenleben zwischen Mensch und Papagei im Hinblick auf die Maßstäbe des Menschen problemloser zu gestalten versuchen, sondern mit Blick auf die Ansprüche der Papageien. In dieser Darstellung wird somit der tierartgemäße bzw. tiergartenbiologische Ansatz vertreten.
Die vorangegangenen Ausführungen haben gezeigt, dass gestörtes Verhalten sich auf verschiedene Weise äußern kann. Die Palette der möglichen Feinheiten auftretender Verhaltensänderungen ist mit diesem Buch noch längst nicht in ihrer Breite und Tiefe ausgelotet worden. Dies ist wegen der Vielzahl der unterschiedlichen Haltungsbedingungen und Mensch-Tier-Beziehungen, die in der Regel für die Störungen verantwortlich sind, auch gar nicht möglich. Mit Blick auf die Maßnahmen zur Abhilfe kann diese Darstellung aber in bestimmten Bereichen durchaus lückenhaft bleiben, denn der therapeutische Ansatz ist ein ganzheitlicher Ansatz, der auch die hier nicht genannten Randerscheinungen gestörten Verhaltens unmittelbar einschließt.
Es ist davon auszugehen, dass der überwiegende Teil der sog. Großpapageien und auch ein Teil der Sittiche und Kleinpapageien defizitäre Haltungsbedingungen in Menschenobhut vorfindet, insbesondere bei der Einzelhaltung in der Wohnung. Anders sieht dies u. U. bei der Volierenhaltung von (Groß-) Sittichen und Papageien aus. Hier verfolgen die Halter meist andere Absichten (Zuchtbemühungen, Verhaltensbeobachtungen, weniger enge Mensch-Tier-Beziehung) und praktizieren oft eine mehr oder weniger biologisch ausgerichtete Papageienhaltung. Auch dabei sind sicherlich hier und dort Verbesserungen und Korrekturen zu empfehlen, allerdings vollzieht sich das Gros der Verhaltensstörungen der Papageien nicht in solchen Züchteranlagen, sondern in der Privathaltung im Haushalt. Diese Defizite machen sich im wesentlichen an folgenden äußeren Rahmenbedingungen fest.
Siehe Folgende Kapitel
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