zwei Loras
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Vogelkot als Indikator verschiedener Erkrankungen


aufmerksame Beobachtung des Kotabsatzes
*
Augenmerk auf Qualität, Quantität und zeitlichen Abstand liefert:
     --> mögliche Hinweise auf verschiedenste Erkrankungen
   --> mögliche Problemerkennung im Frühstadium
    --> Zeit zum rechtzeitigen (Be)Handeln
 

Verdauungstrakt eines Vogelsa. Speiseröhre

b. Kropf

c. Drüsenmagen

d. Muskelmagen

e. Bauchspeicheldrüse

f. Blinddärme

g. Enddarm

Ausschnitt: die sehr kleinen und funktionslosen Blinddärme der Greifvögel, Prachtfinken, Tauben

 


Bild aus: Wolfgang Aeckerlein: Die Ernährung des Vogels

 

 

 

 

 

 

 

1. Großteil der Vogelarten mit Kropf
       sackartige Erweiterung der Speiseröhre
       Futterspeicher
       Anfeuchten des Futters (aber keine Verdauung)

2. Vogelmagen gegliedert in:
    a. Drüsenmagen
      Verdauungssäfte (Salzsäure & Pepsin)
    b. Muskelmagen
       mechanische Zerkleinerung und Durchmischung des Futters
       aufgenommene kleine Steinchen (Grit & Sand) als „Zahnersatz“

  3. Dünndarm
   
a. vorderer Teil
       Einmünden der Ausführungsgänge der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
       abgegebene Enzyme besonders wichtig für Verdauung von Fetten und Stärke

Der Vogeldarm und die dadurch bedingte Darmpassagezeit sind relativ kurz. Nicht alle Vögel besitzen Blinddärme, sie fehlen u.a. bei Papageien, Finken und Tauben; auffällige Blinddärme haben dagegen Rauhfußhühner (Blinddarmkot).

     b. Dünndarmende
       mündet in die Kloake
       hier enden ebenfalls Harnleiter und Geschlechtsorgane
       keine getrennte Abgabe von Kot und Harn (und evtl. gelegten Eiern)

Als weitere wichtige Besonderheit ist zu erwähnen, dass Vögel keine Harnblase haben, sondern ihren Harn in konzentrierter Form als Harnsäure absetzen. Vogelexkremente bestehen somit aus folgenden Anteilen (Abb. 1 & 2):

                                                        

  A. Kot:
bräunlicher bis grünlicher, mehr oder weniger fest geformter Strang

Vogelarten, die einen Blinddarm besitzen (z.B. Hühnervögel) setzen darüber hinaus einen speziellen, grünlich-schaumigen Blinddarmkot ab.

B. Harn:
1. Harnsäurekristalle: weißliche bis weißlich-gelbe Massen
2. flüssiger Harnanteil: durchsichtige, farblose Flüssigkeit

Das Aussehen, die Konsistenz und Farbe sowie die Menge der Ausscheidungen wird von verschiedenen Umständen beeinflusst. Hierzu gehören beim gesunden Vogel z.B.: Art, Tageszeit, Futter und Futtermenge, Wassermenge und Fortpflanzungsaktivität. Beim kranken Vogel führen vor allem Infektionen, Parasiten, Vergiftungen, Leber- und Nierenkrankheiten, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse sowie Ernährungsfehler zu Veränderungen.Durch die tägliche routinemäßige Kontrolle durch aufmerksame Vogelbesitzer können Veränderungen sehr bald erkannt werden. Dies kann wichtige Hinweise zur Diagnose vieler Krankheiten liefern und zu ihrer frühzeitigen Erkennung beitragen.

Einige typische Veränderungen und mögliche Ursachen:
aufgrund der beiden Anteile der Ausscheidungen muss unterschieden werden in:

1. Veränderung des Kotes
2. Veränderung des Harns

1.1. Farbänderung: 1. Veränderung des Kotes:

1.1.1 beim gesunden Tier: durch Aufnahme von stark gefärbten Futtermitteln wie z.B. Heidelbeeren, Holunder, Kirschen, Karotten, Tierkohle oder durch Futterumstellung (z.B. Umstellung auf Pelletfütterung).

1.1.2 auffällig dunkel oder rötlich gefärbter Kot: Durch Blutbeimengungen. Stammt das Blut aus dem oberen Verdauungstrakt, wird es bei der Darmpassage verdaut und färbt sich dadurch schwarzbraun. Stammt es aus dem Endteil des Darmes, färbt es den Kot mehr oder weniger deutlich rot bis rotbraun (Abb. 3)

 

Mögliche Ursachen sind Verletzungen durch Fremdkörper, schwere Infektionen vor allen mit Bakterien, hochgradiger Parasitenbefall (Kokzidien), Vergiftung (Schwermetalle).

1.1.3 gelblich bis grünlich: Bei Lebererkrankungen durch vermehrte Ausscheidung von Gallenfarbstoffen (Abb. 4 & 5)

                                                      

Mögliche Ursachen sind Leberentzündung durch Bakterien (Psittakose), Viren (Pacheco´sche Papageienkrankheit) oder Parasiten. Leberschädigungen durch Vergiftungen können zu ähnlichen Farbveränderungen führen.

1.1.4 blass graubraun und voluminös: Bei schweren Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse durch Störung der Fett- und Stärkeverdauung (Abb. 6 & 7)

                                                        

1.2. weicher Kotstrang:
1.2.1 beim gesunden Tier:
Durch Futterumstellung oder Aufnahme größerer Mengen von Weichfutter oder Obst und Gemüse.
1.2.2 echter Durchfall: Der Kotanteil ist nicht geformt, zusätzlich können Gasblasen zu sehen sein, er kann unangenehm riechen (Abb. 8 & 9).

                                                      

Oft sind im Zusammenhang mit Durchfall auch Farbänderungen in intensiv grün oder gelblich zu sehen.
Mögliche Ursachen sind Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen, Parasitenbefall.

1.3 Beimengungen:
1.3.1 Parasiten:
Nur bei sehr schwerem Befall sind schon mit freiem Auge Würmer im Kot zu sehen (Abb. 10 & 11)

                                                      

In den meisten Fällen ist jedoch eine mikroskopische Untersuchung zum Nachweis von Parasiten oder deren Eier notwendig.

1.3.2 unverdaute Körner: Ein Alarmzeichen für eine schwere Erkrankung im Bereich des Kropfes, des Magens oder im Darm! Der Vogel leidet unter einer Verdauungsstörung, er frisst womöglich auffällig viel, kann das Futter aber nicht verwerten und verliert dadurch schnell an Gewicht und Kraft.
Mögliche Ursachen: Es kann sich um die Neurogene Drüsenmagendilatation, eine unheilbare und viral bedingte Infektionskrankheit der Papageien, handeln (Abb. 12 & 13)

                                                    

 

Beim Wellensittich kann eine Infektion mit derzeit noch als “Megabakterien” bezeichneten Erregern zu den gleichen Erscheinungen führen. Neuere Studien belegen, dass es sich bei ihnen aber mit großer Wahrscheinlichkeit um Pilze handelt. Aber auch andere Erkrankungen des Magens, Darmes, der Bauchspeicheldrüse oder Parasitenbefall sind in Erwägung zu ziehen.

2. Veränderung des Harnanteils:
2.1 vermehrte Flüssigkeitsausscheidung:
Die weißen Harnsäureauflagerungen des Kotes können fehlen, der Kotstrang schwimmt in einem Flüssigkeitssee 
(Abb. 14 & 15 ).

                                                        

2.1.1 beim gesunden Tier: Vermehrte Wasseraufnahme (Hitze), Gemüse oder Weichfutter. Bei Streß z.B. durch Transport, Tierarztbesuch oder Ausstellung ist eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung normal, ebenso während der Legeperiode.

2.1.2 Erkrankungen der Niere: Das Unvermögen der Nieren, den Harn zu konzentrieren, führt zu starken Flüssigkeitsverlusten, damit zu Austrocknung und Bluteindickung. In diesen Fällen wird häufig auch vermehrte Wasseraufnahme beobachtet.
Mögliche Ursachen sind bakterielle Infektionen der Nieren, Nierenschädigung durch Gifte (Schwermetalle oder Pilztoxine), hormonelle Störungen.

2.1.3. Diabetes: verschiedene Formen des Diabetes z.B. Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen zu vermehrter Wasseraufnahme und damit verbundener vermehrter Flüssigkeitsausscheidung. Die Erkrankung ist beim Vogel selten.

2.2. Farbänderung:
Wie beim Kot führen Lebererkrankungen häufig auch zu einer grünlichen bis gelblichen Färbung des Harnanteils durch vermehrte Ausscheidung von Gallenfarbstoffen. Blutungen im Bereich des Harntraktes führen zur rosa bis roten Verfärbung des Harns. Die Ursachen entsprechen jenen beim Kot.

2.3 Es wird nur Harn ausgeschieden, der Kotanteil fehlt oder ist stark verringert: ( Abb. 16 & 17)  

                                                        

2.3.1 beim gesunden Tier: Der Vogel hat längere Zeit nichts gefressen (“Hungerkot”). Dies kann der Fall sein:
* weil der Vogel kein Futter bekommen hat
* weil er es nicht erreichen konnte
* bei längeren Transporten ohne Fütterung
* morgens vor der ersten Futteraufnahme, wenn sich der Darm in der Nacht entleert hat

2.3.2 der Vogel kann kein Futter aufnehmen: Veränderungen im Bereich des Schnabelhornes oder in der Schnabelhöhle.
Mögliche Ursachen sind Verletzungen, Fremdkörper, Beläge durch Bakterien, Sproßpilze oder Parasiten (Trichomonaden).

2.3.3 keine Futteraufnahme: Verschiedenste Erkrankungen führen zu Appetitlosigkeit, ebenso können Stress oder schmerzhafte Veränderungen zur Einstellung der Futteraufnahme führen.

2.3.4 das Futter wird nach der Aufnahme wieder herausgewürgt: Bei Erkrankungen des Kropfes wie Verletzungen, Entzündungen, Infektionen.
Mögliche Ursachen sind Fremdkörper, Parasiten (Trichomaden), Bakterien, Megabakterien, Pilze

2.3.5 Passagestörungen: Der Darminhalt wird nicht weitertransportiert.
Mögliche Ursachen
sind Kropfanschoppung (das Futter gelangt nicht mehr aus dem Kropf in den Verdauungstrakt, weil die Peristaltik gestört ist), Magendilatation (z.B. Neurogene Drüsenmagendilatation), Fremdkörper oder Tumore im Bereich des Darmes, Verletzungen und Verwachsungen, Einengung des Darmes von außen z.B. steckengebliebene Eier bei Legenot oder Tumoren benachbarter Organe.

2.3.6 Verstopfung: bei Vögeln, im Gegensatz zu Säugetieren relativ selten.

2.4. Vermehrte Ausscheidung von Harnsäure:  
Der Kot ist mit überdurchschnittlich großen Mengen kreideartiger Harnsäure versetzt, der “weiße” Anteil ist vermehrt
(Abb. 18).

Ursache: Gicht – eine Erkrankung bei der vermehrte Mengen an Harnsäure anfallen, die sich einerseits an den Organen ablagern können (Viszeralgicht) oder mit den Nieren ausgeschieden werden. In fortgeschrittenen Fällen können vor allem an den Zehengelenken helle, knotige Auftreibungen gesehen werden (Abb. 19).

 

Es handelt sich dabei um Harnsäureansammlungen, sogenannte Gichtknoten, die sehr schmerzhaft sind. Die Ursachen werden in Fütterungsfehlern, Nierenschädigungen durch zurückliegende Krankheiten und angeborenen Stoffwechselstörungen vermutet.
 

Verteilung von Kot und Harn im Käfig:
Gesunde Vögel sind tagsüber die meiste Zeit in Bewegung, demnach sind die Kotportionen über den gesamten zur Verfügung stehenden Raum verteilt. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Ansammlungen von größeren Kotmengen an bestimmten Stellen des Käfigs. Dies deutet darauf hin, dass sich der Vogel nicht oder nur wenig von der Stelle bewegt und kann als Anzeichen für eine Erkrankung gedeutet werden. (Abb. 20)

Umgekehrt verhält es sich in der Nacht. Normalerweise sammelt sich der Kot unter den bevorzugten Schlafplätzen an. Bei Beunruhigungen der Vögel z.B. durch Ektoparasiten (Milben, Federlinge) schlafen die Tiere nicht durch, sondern wechseln öfter die Sitzplätze. (Abb. 21)

Empfohlene weitere Untersuchungen zur Diagnosestellung:

parasitologische Kotuntersuchung:
Eine frische Kotprobe wird mikroskopisch auf das Vorhandensein parasitärer Objekte (Einzeller, Wurmeier) untersucht. Die Behandlung ist abhängig von der Art der Parasiten!

bakteriologische Untersuchungen: Um eine Aussage über bakteriell bedingte Darminfektionen treffen zu können, empfiehlt sich die Entnahme von Kloaken- ggf. auch von Kropftupfern. Die Untersuchung von Kotproben, die vom Boden entnommen wurden, ist problematisch, da diese verunreinigt sein können. Im Rahmen dieser Untersuchung können auch Pilzinfektionen nachgewiesen werden.

Untersuchung auf Psittakose: Erreger der Papageienkrankheit sind Chlamydien. Es sind Organismen aus der Gruppe der Bakterien, die besondere Verfahren für ihren Nachweis benötigen. Zur Untersuchung können Tupfer oder Kotproben herangezogen werden.

Viren: Der Nachweis von Viren bei Ziervögeln ist in vielen Fällen schwierig. Nicht für alle Krankheiten stehen spezielle Verfahren zur Verfügung. Manche Erreger können mit Hilfe von Blutproben nachgewiesen werden.

Röntgen: Röntgenaufnahmen helfen oft bei der Diagnose von Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, aber auch bei Veränderungen der Niere und Gonaden. In manchen Fällen sind Kontrastmittelstudien erforderlich. In letzter Zeit wird auch beim Vogelpatienten immer häufiger die Ultraschalluntersuchung herangezogen.

Blut: Die Untersuchung von Blutproben liefert wichtige Zusatzinformationen zur Ursache und zum Schweregrad der Erkrankungen und ermöglicht die eindeutige Diagnose von Gicht.

Fazit:
Wie anhand der oben genannten Beispiele gezeigt wurde, liefert die genaue Kontrolle des “Vogelkotes” eine Reihe von Hinweisen auf verschiedene Erkrankungen. Bei aufmerksamer Beobachtung können viele Probleme bereits im Frühstadium entdeckt werden, dies wirkt sich positiv auf einen Behandlungserfolg aus. Zur Feststellung der genauen Ursachen ist aufgrund der zahlreichen möglichen Ursachen für derartige Veränderungen ein Tierarztbesuch jedoch unumgänglich. Die genaue Beschreibung der beobachteten Veränderungen hilft in jedem Fall, die möglichen Ursachen einzuengen und gezielte weiterführende Untersuchungen durchzuführen.

Text- und Bildquelle, soweit nicht anders angegeben: gekürzte und für Unterrichtszwecke veränderte bzw. angepaßte Fassung nach dem Aufsatz aus „Die Gefiederte Welt“ 6/2001 von Dr. Alexandra Scope, Wien.