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1. Papageien gehören zu den hochentwickelten Formen innerhalb der Vögel. Sie besitzen ein ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten, einige Arten zeigen Anfänge des Werkzeuggebrauches und sind in der Lage, menschliche Sprache, verschiedene Laute und Umgebungsgeräusche nachzuahmen. Diese Verhaltensweisen deuten einerseits auf eine hohe Plastizität des Verhaltens und die damit verbundenen Möglichkeiten der Verhaltensanpassung hin. Gehaltene Papageien zeichnen sich somit in der Regel durch eine Vielzahl von Verhaltensmodifikationen aus, die aus der Besonderheit der jeweiligen Haltungsbedingungen entstehen und keineswegs als pathologische Erscheinungen anzusehen sind. Andererseits führt diese "Sensibilität“, „Kreativität" und "Hochintelligenz" der Papageien schneller zu Störungen des Verhaltens, als dies bei phylogenetisch tiefer stehenden Arten der Fall ist.
2. Aufgrund ihrer Zähmbarkeit und Nachahmungsbegabung stehen Papageien seit Jahrhunderten in dem Ruf, geeignete Stubenvögel mit vergleichsweise geringen Ansprüchen zu sein. Die Folge sind vielfach defizitäre Haltungsbedingungen, die sich - vor allem, in Privathaltungen - besonders drastisch in der Käfiggröße und -Ausstattung äußern. Bei der Beratung für die Haltungspraxis werden die Papageienhalter nicht selten vom Zoohandel, von der Heimtierliteratur der "Ratgeberverlage" und von einschlägigen Vogelhalterzeitschriften negativ beeinflusst. Das Bild des Papageien in der Öffentlichkeit wandelt sich nur langsam vom instrumentalisierbaren Hausgenossen zum biologischen Wesen mit artspezifischen Ansprüchen.
3. Da der Halter intuitiv, aus Büchern oder aus Erfahrung weiß, dass jeder Papagei ein sozial lebendes Wesen ist, bietet er sich ihm vielfach als Ersatzsozialpartner an, in der Hoffnung, er möge zahm werden und das "Sprechen" lernen. Gleichzeitig verweigert er ihm einen Artgenossen als Partner, weil er weiß, dass Papageien Paarbindungen zu nur einem Partner eingehen. Er möchte also vermeiden, dass ein Papagei an seine Stelle tritt, seine mühsam er arbeitete Zahmheit und vieltrainierte "Sprechbegabung" zugunsten eines Artgenossen aufgibt. Für den Papageien führt dies zur Frustration und sexuellen Isolation - ein Zustand, der besonders bei Eintritt der Geschlechtsreife zum ersten Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten führen kann, die für den Vogel oft an "Leib und Seele" schädigend sind.
Es ist unmittelbar einleuchtend, dass diese drei Rahmenbedingungen somit leicht geeignet sind, Verhaltensstörungen beim Vogel zu begünstigen oder hervorzurufen. Zu dieser Feststellung bedarf es keines tiermedizinischen oder zoologischen Sachverstandes. Hier reicht allein der gesunde Menschenverstand zur Beurteilung des Sachverhaltes aus. Betrachtet man die zuvor erhobenen Befunde genauer, werden weitere Details deutlich. 1. je größer ein Papagei ist, je geringer die Käfiggröße und je lückenhafter das Käfiginventar sind, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Verhaltensauffälligkeiten entstehen oder begünstigt werden. 2. je weiter der Prozess der Domestikation bei bestimmten Arten voranschreitet, um so eher sind Verhaltensauffälligkeiten zu beobachten. Sie äußern sich meist als hypertrophierte Veränderungen bestimmter "Normalverhaltensweisen". Diese sind oft schwieriger zu therapieren, weil formkonstanter, als z. B. erworbene Störungen bei Papageien importierter, nichtdomestizierter Arten. 3. Die Ausprägung der Mensch-Tier-Beziehung trägt entscheidend zum psychischen Wohlbefinden eines hochsozialen Papageienvogels bei. Der Menschenpartner kann bei der Einzelvogelhaltung vorübergehend durchaus die Rolle des Vogelpartners einnehmen und das Tier damit bei psychischer Gesundheit erhalten. Dauert dieser Zustand aber über den Eintritt der Geschlechtsreife hinaus an und fehlt dem Vogel auch dann noch ein Artgenosse als Sozialpartner, treten eklatant häufiger Verhaltensstörungen auf als in der Zeit davor.
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