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Hilfe!!!!
Ihr ach-so-lieber-zahmer-verschmuster einzeln gehaltener Papagei schreit ständig ohne Grund und beißt auch noch? Der Vogel ist über 2 Jahre alt? Dann ist der Papagei höchst warscheinlich geschlechtsreif und sucht einen Partner der gleichen Art – keinen Menschenpartner.
Papageien sind hochentwickelte, intelligente und soziale Vögel, die unbedingt paarweise gehalten werden sollten. Dies wird leider beim (spontanen) Kauf nicht bedacht. Also muss ein zweiter Vogel her. Aber welcher? Graupapagei zu Amazone? Kakadu zu Ara?? Wellensittich (weil billiger) zu Ara? NIE !! Die Papageien stammen aus verschiedenen Kontinenten und sprechen verschiedene „Sprachen“. Verschiedene Amazonenarten können miteinander vergesellschaftet werden, ebenso verschiedene Araarten bzw. Graupapageiarten innerhalb der eigenen Art. Ideal wäre das Gegengeschlecht und ungefähr das gleiche Alter, was aber nach meinen Erfahrungen für die Wohnungshaltung (ohne Zuchtabsichten) kein unbedingtes „muss“ ist.
<<Eine weitere Möglichkeit, artspezifisches Aggressionsverhalten zu beobachten, besteht bei fast jeder Zusammenführung von zwei einander unbekannten Papageien. Die Vögel werden zunächst durch die gesamte Palette agonistischer Verhaltensweisen (Drohen, eventuell Angriff, Demutsgesten, eventuell Flucht) eine Art "Rangordnung" festlegen, d. h. den Stärkeren von beiden ermitteln und danach schließlich u. U. partnerschaftlich zusammenfinden. Bei den Großpapageien, die keine äußerlichen Geschlechtsunterschiede aufweisen, haben die Geschlechter der Vögel dabei zunächst keinen Einfluss auf die "Rollenverteilung". Die meisten aggressiven Verhaltensweisen der Papageien sind dabei - je nach Art unterschiedlich - ritualisiert, d. h., Kämpfe finden in aller Regel als sogenannte Kommentkämpfe statt, bei denen körperliche Beschädigungen nur ausnahmsweise vorkommen, und wenn, dann vermutlich vor allem als Folge beengter Haltungsbedingungen.>> aus: Verhaltensstörungen bei Papageien von W. Lantermann; Kapitel: aggressives Verhalten
Der "Kandidat": Bitte achten Sie darauf, dass Sie sich eine Art „Rückgaberecht“ sichern. Es kann durchaus sein, dass die Verpaarung/Vergesellschaftung scheitert weil sich die „Kandidaten“ überhaupt nicht mögen, weshalb der Zweitvogel wieder abgegeben werden muss. So entstehen Wandervögel... Geben Sie nicht auf – Papageien sind wählerisch, wie wir Menschen. Beim zweiten, dritten, vierten (oder auch mehreren) Anlauf klappt´s bestimmt.
Die eigentliche Verpaarung/Vergesellschaftung: Eines vorweg: es gibt keine Patentrezepte und keiner kann sagen, wie lange es dauert, bis die Papageien zusammenfinden – es kommt ganz auf die Charaktere der Vögel an. Ich gebe hier meine eigenen Erfahrungen wider.
Was Sie brauchen ist: viel Geduld, viel Zeit und viel Intuition.
Was Sie noch brauchen: Idealerweise ein ruhiges Zimmer (Gästezimmer?), das Ihr Altvogel, sprich: der, der zuerst da war, nicht/wenig kennt, damit keine Revieransprüche entstehen; ein Pfleger, der evtl. die Versorgung übernimmt, falls Ihr Vogel sehr auf Sie fixiert ist; 2 Käfige in denen die Sitzstangen auf gleicher Höhe sind – sonst entsteht schon im Vorfeld eine Rangordnung, die im Nachhinein wieder „ausgefochten“ werden muss. Die Käfige sollten an einer Wand stehen wegen der Rückendeckung und die Futternäpfe in Sitzstangenhöhe angebracht sein.

Die Fotos zeigen ein Beispiel ! Sie können natürlich auch zwei Zimmervolieren o.ä. verwenden, oder eine entsprechend große Voliere teilen - am besten mit doppeltem Gitter.
Es kommt hier darauf an, dass die Sitzstangen auf gleicher Höhe sind und nicht, dass die Käfige gleicher Bauart sind. Sie können natürlich zwei unterschiedlich gebaute Käfige verwenden.
Für die kurze Zeit der Eingewöhnung/Kennenlernen werden die Papageien im "Würfel"käfig nicht gleich Verhaltensstörungen zeigen :-)).
Die Papageien sollten nun eine ganze Weile in ruhe gelassen werden. Gehen Sie nur zum Füttern ins Zimmer; eine Weile ohne Freiflug schadet nicht.
Der „Neue“ muss sich eingewöhnen, den Tagesablauf, das Futter und die neuen Menschen kennen lernen. Vielleicht haben beide nach vielen Jahren der Einzelhaltung einen Artgenossen vor Augen!! Das muss erst mal verdaut werden. Sprechen Sie im ruhigen Ton mit den Papageien – stumme Zeitgenossen finden Papageien suspekt. Füttern Sie stets zur gleichen Zeit. Wichtig: keinen Stress und keine Hektik. D.h. die Vögel sollen möglichst unter sich bleiben, damit sie sich aneinander gewöhnen können.
Die Voliere: Inzwischen sollten Sie die spätere "Wohnvoliere" umdekorieren, also neue Äste in anderer Anordnung anbringen und neues Spielzeug reinhängen, damit der Altvogel seine Voliere nicht wiedererkennt und als Revier verteidigt. Wenn sie für 2 Papageien groß genug ist!!! Eine Zimmervoliere auf Rollen reicht für 2 Papageien nicht aus!!!
Beobachten Sie die Papageien heimlich: rücken sie mit der Zeit immer näher zusammen? Fressen sie gleichzeitig? Putzen sie sich zur selben Zeit? Ein gutes Zeichen und damit Zeit für den
ersten Verpaarungsversuch: der "schwächere" oder der ängstlichere Vogel wird zuerst in die neu gestaltete Voliere gesetzt, damit er sich "schon mal umschauen" und sich mit der neuen Umgebung vertraut machen kann. Dann kommt der Zweite dazu. Nun folgen die unterschiedlichsten Reaktionen: großes Geschrei, Angst, Geflattere, Nervosität - oder die Vögel finden sich sympathisch. Das sieht man aber eigentlich schon im Vorfeld. Bitte lassen Sie die Vögel in Ruhe - greifen Sie nur im Notfall ein. Papageien haben eine natürliche Beißhemmung und es fließt sehr selten Blut. Mit einer Blumendusche, die auf "scharfen Strahl" eingestellt ist, können Sie für Ordnung sorgen. Zwei Äste auf gleicher Höhe haben sich in der ersten Zeit im "Verpaarungskäfig" gut bewährt - so hat jeder Vogel seinen eignen Ast. Futter- und Wassernäpfe für jeden Vogel in asthöhe können nicht schaden, damit der ängstlichere Papagei dem anderen nicht den Rücken zukehren muss.
 Wer bist du denn?? Naaaaa, Kleiner? Du bist ja nett.
Freunde für´s Leben.
Tipp: Nicht hand- bzw. stockzahme Papageien bekommt man stressfreier als mit einem Kescher folgendermaßen wieder in die Voliere: das Gitterteil des Transportkäfigs ohne Unterteil vorsichtig über den Vogel stülpen – er klettert automatisch nach oben – am Käfig die untere Öffnung gegen die Käfigtür halten und schon geht der Vogel rein.
Versuch fehlgeschlagen? Sonntag ist auch noch ein Tag. Die Nervosität hat sich bestimmt auf beiden Seiten etwas gelegt und Sie können es noch einmal versuchen. Geben Sie nicht gleich auf: häufig steht der Halter sich und seinen Papageien im Weg. Er reagiert übernervös und ängstlich, versucht, die kleinsten Streitigkeiten zu schlichten. Die Papageien müssen ihre Rangordnung festlegen – das geht in Papageienkreisen nun mal nicht in einer Diskussion. Behalten Sie trotzdem die Beiden im Auge, ohne ständig störend einzugreifen. Der Mittelweg ist, wie immer, der Richtige.
Was tun, wenn die Verpaarung nicht gelingt? Ein Kapitel aus dem Buch "Verhaltensstörungen bei Papageien" von Werner Lantermann.
Versuch erfolgreich? Die Papageien gehen aufeinander zu? Sie putzen oder schnäbeln sogar? Gratuliere!! Nun dürfen sie in ihre Voliere, die der Altvogel natürlich nicht wiedererkennt. Es kann aber hin und wieder zu Streit kommen oder Ihr Vogel ist hin- und her gerissen zwischen seinem „Menschen“partner und seinem Artgenossen. Bringen Sie das Papageienpaar erst dann ins Wohnzimmer, wenn sich die Vogelbeziehung genügend gefestigt hat. Dieser Fehler wird häufig gemacht. Sonst fangen Sie womöglich von vorne an.
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