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Können Papageien trauern?

© Heidrun

Können Papageienvögel trauern? Eine scheinbar simple Frage, die doch nicht einfach zu beantworten ist. Zum einen ist das Thema Tod und Trauer generell in unserer heutigen Gesellschaft ein Tabuthema und zum Anderen unter Tierhaltern mit teilweise sehr starken Emotionen behaftet. Wie aber trauern Papageien? Um diese Frage zu beantworten, berühren wir zwangsweise in die Bereiche Ethik, Philosophie, Tierpsychologie und Verhaltensforschung; natürlich nur am Rande und sehr oberflächlich.

Klären wir zunächst zwei Begriffe, die im Laufe dieses Artikels auftauchen werden.

Bewusstsein: (lat. conscientia: mitwissen) 
Die Definition „Bewusstsein“ ist noch immer eher vage. Bewusstsein wird als Fähigkeit verstanden, zu erleben, etwa Sinneseindrücke oder des eigenen Körpers und sich selbst in Beziehung zu seiner Umwelt wahrzunehmen und sich als Individuum zu verstehen. Dann gibt es das Bewusstsein, dass ich etwas will oder fühle.

Unter Biologen herrscht aufgrund diverser Experimente Einigkeit darüber, dass Tiere ein Bewusstsein haben. Es ist sicher ein anderes Bewusstsein, aber prinzipiell vorhanden und in jede Wechselbeziehung eingebunden. Auch dieses Kriterium für die Sonderstellung des Menschen in der Natur könnte demnach hinfällig sein.

Trauer: Trauer ist eine Stimmungslage des Menschen, die beim Verlust eines geliebten Gegenübers (Menschen, ggf. auch Tiere) auftritt. Meist führt die Trauer zu einer gewissen Lähmung der normalen Aktivitäten des trauernden Menschen (Tieres).
Auch bei Tieren gibt es Trauer. Diese Ansicht ist bei Verhaltensbiologen und Menschen, die eng mit Tieren zusammenleben, eigentlich nicht umstritten. Es sei denn, der Mensch definiert die Trauer als typisch menschlich und erfindet ein neues Wort für die entsprechenden Emotionen der Tiere.

Gefühle sind vielleicht unsere intensivsten Erlebnisse. Empfinden wir Schmerz oder ein anderes Gefühl, besteht kein Zweifel, dass wir in diesem Augenblick etwas bewusst erleben. Man sieht dem Menschen seine Gefühle zum Teil auch deutlich an, wenn er zum Beispiel vor Wut die Fäuste ballt; er kann uns natürlich auch sein Gefühle mitteilen, kann sie seinem Gegenüber erzählen. Wie aber kann uns ein Tier seine Gefühle mitteilen? Wie erkennen wir, ob der Hund vielleicht verlegen ist, die Katze depressiv oder ob der Papagei trauert? Der wütende Hund fletscht die Zähne, die depressive Katze wird vielleicht viel schlafen oder sich zurückziehen, aber der Papagei kann weder die Fäuste ballen, noch die Zähne fletschen.

Jeder kennt rührende Trauergeschichten von Hunden, die verzweifelt verlorengegangene „Herrchen“ oder „Frauchen“ suchen. Allgemein bekannt sind auch Berichte über das Trauerverhalten wildlebender Elefanten, wonach sich ganze Herden um ein sterbendes Tier sammeln. Nicht selten wird der Tote mit Erde und Zweigen bedeckt.

Zu dem speziellen Thema „Trauer bei Papageien“ gibt es keinerlei wissenschaftliche Studien, wir bewegen uns im Bereich der Spekulation und Mutmaßung. In diesem Artikel möchte ich versuchen, der Frage der Trauer bei Papageienvögeln nachzugehen; ob und welche Unterschiede es innerhalb der Papageienarten gibt; wie sich die Beziehung zwischen den Partnern auf die Trauer auswirkt. Spielt es eine Rolle, ob der hinterbliebene Vogel den Tod seines Partners miterlebt und ihn in den Tod begleitet? Erkennt der überlebende Partner einen toten Artgenossen?

Anhand von Erfahrungsberichten aus privater Haltung und den Theorien vieler Fachleute sollen diese Fragen erörtert werden.
 

Können Papageien trauern? Trauern sie überhaupt?

Ein Naturwissenschaftler oder Biologe wird einwenden, dass nur der Mensch über Gefühle und Emotionen verfüge; allenfalls noch höher entwickelte Säugetiere und unsere nächsten Verwandten, die Primaten. Zu einem bewussten Erfahren des „Selbst“ gehöre das individuelle Erkennen des eigenen „Ich“. Dass diese Tiere über so etwas wie ein Bewusstsein verfügen, wurde schon vor Jahren im berühmten „Spielgelversuch“ belegt: einem Schimpansen wurde ein Klecks Farbe auf die Nase gemalt und ihm dann ein Spiegel vorgehalten. Der Schimpanse erkannte sich selbst im Spiegel und wischte sich die Farbe von der Nase. Der gleiche Versuch wurde mit Menschenkindern durchgeführt. Ab einem alter von etwa 18 Monaten erkennen sich Kinder im Spiegel und wissen: „das bin ich!“ Delfine führten vor einem Spiegel Tänze auf und erkannten sich selbst.

Fragen Sie einen Papageienhalter, der miterlebt hat, wie einer seiner Vögel gestorben ist und wie der hinterbliebene Partnervogel reagierte, wird er verwundert die Augenbrauen hochziehen und antworten: „Was soll die Frage? Natürlich können Papageien trauern!“

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                                                                                    Sterbender Ara

Können sich Papageienvögel als Schwarmtiere solche Emotionen überhaupt „leisten“? Papageien sind hochentwickelte Fluchttiere, die in Freiheit in Schwärmen leben. Das Leben und Überleben eines Papageien in Freiheit ist nicht immer einfach. Wenn ein Partner verlorengegangen ist, wird es für den Hinterbliebenen immer wichtig sein, eine neue Orientierung zu finden. Da das zusammenleben von Vögeln von Aktion und Reaktion geprägt wird, ist ein toter, nicht mehr reagierender Vogel ist für einen Lebenden kein Kommunikationspartner mehr. Er wird sich vergewissern, ob von dem toten Partner tatsächlich keine Reaktion mehr kommt und nach einer zeit des Beobachtens wird er sich seiner Sache sicher sein und sich dem Leben, anderen Partnern zuwenden und damit seinem eigenen Wohl.

Das leben in Freiheit bedeutet vordringlich Arterhaltung! Papageienvögel finden sich in der Balzzeit als Paar zusammen, ziehen ihre Jungen groß und bleiben auf Gedeih und Verderb so lange zusammen, bis die Jungvögel flügge sind. Danach schließen sich die selbstständigen Jungen zu Schwärmen zusammen und die Eltern bilden einen weiteren Schwarm, wobei sich die Elternvögel durchaus trennen und anderen Partnern zuwenden.

Großpapageien, die in Gefangenschaft in größeren Gruppen leben, reagieren ähnlich. Der tote Vogel wurde zwar gründlich beobachtet aber nicht weiter beachtet. Es gibt allerdings zwei Fälle, in denen dem Toten der Kopf angeknabbert und sogar ausgehöhlt wurde. Hier kann man auch wieder nur spekulieren: war ein Eiweißdefizit der Volierenmitglieder vorhanden oder gar Aggression? Auch aus einem Wellensittichschwarm ist ein solcher Fall bekannt.

Ganz anders hingegen lauten Berichte über trauernde Papageien aus privater Haltung in denen die Vögel als Paar lebten.

1. Fallbeispiel (Amazonen):

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Bei meinem ersten Brutpaar Amazonen, das bereits in 3 Bruten 5 Jungtiere großgezogen hatte, starb das Männchen eines Nachts während der Brutzeit an Herzversagen (es war wirklich herzkrank). Das Weibchen zog das einzige Junge allein auf, war aber vom Verhalten her deutlich verändert. Es war auffallend ruhig, so als hätte es jegliche Lebensfreude verloren.

Wenige Tage, nachdem das Junge selbständig war gab es einen Kampf mit ihrem eigenen im Nachbarraum untergebrachten, geschlechtsreifem Nachwuchs (die beiden Räume hatten ein Verbindungsfenster. Hatten die Jungvögel bisher versucht in diesen Raum einzudringen, wurden sie von ihren Eltern sofort hochkant rausgeschmissen). Wenige Tage nach diesem Vorfall starb das Weibchen, es fiel in der Nacht buchstäblich tot von der Stange. Es mag vielleicht nicht völlig gesund gewesen sein, jedoch zeigte es auch nie irgendwelche Krankheitssymptome. Außerdem ist schon einigermaßen unwahrscheinlich, dass ein krankes Weibchen allein ein Junges aufzieht. Es drängt sich also schon der Verdacht auf, dass das Weibchen, wie man so schön sagt, an gebrochenem Herzen gestorben ist.
                                                                                                                                                                                               Walter

2. Fallbeispiel (Kakadus):

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Ich hatte ein super harmonierendes Molukkenkakadupärchen, die zwölf Jahre äußerst friedlich und verliebt zusammen gelebt und auch gebrütet haben. Als ich das Männchen tot in der Nisthöhle fand (die Pathologen diagnostizierten eine bakterielle Lungenentzündung) war ich wie vom Blitz getroffen!

Das Weibchen saß anscheinend ungerührt in den Kletterästen. Erst in den Tagen danach bemerkte ich eine Verhaltensänderung. Sie war wesentlich ruhiger als gewohnt, fraß wenig. Auch wandte sie sich wieder mehr uns, den Menschen zu.

Besonders schlimm fand ich, als ich sie beim Nachhausekommen vor einem lebensgroßen Foto ihres verstorbenen Partners fand, sie saß auf der Sofalehne, ein Ort den sie noch nie vorher angeflogen hatte! Den Rahmen hatte sie komplett zernagt, die Scheibe war gesprungen. Ich fand sie völlig apathisch und es dauerte eine Weile ehe ich sie dazu bewegen konnte diesen Ort zu verlassen.

Ein anderes Mal fand ich sie -völlig überhitzt- auf dem Heizkörper sitzen, an dem sie sich heftig festkrallte als ich sie dort wegnehmen wollte. Es dauerte einige Zeit bis ich sie dazu bewegen konnte etwas zu trinken! Es war furchtbar! Danach saß sie wieder stundenlang reglos da, wie eine Stoffpuppe!

Monate später erst, als ich ein neues Molukkenmännchen fand, benahm sie sich wieder so wie ich sie kannte, also frech krächzend, aktiv und verspielt. Auch als die Beiden nach kurzer Zeit wegen seiner extremen Aggressivität wieder getrennt werden mussten, behielt sie ihr normales, - das heißt für mich ihr gewohntes - Verhalten bei.

Ich kann nicht sagen, ob meine Beobachtungen auf zufälligen Ereignissen beruhen oder eine Folge des Todes ihres Lebensgefährten waren. Ich denke ich war - wie wohl jeder liebende Vogelhalter- emotional selbst viel zu bewegt.

                                                                                                                                                                                             Kakadei

3.Fallbeispiel: (Graue)

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Ori und Coco, zwei Graue, lebten gut 2 Jahre zusammen. Sie haben sich geduldet aber es war kein Paar. Coco war krank, ich musste ihn einschläfern lassen. An besagtem Abend hatte er wieder einen Anfall und schrie wie verrückt. Ich musste ihn mit einem Tuch einfangen und Ori hat sich in die hinterste Ecke ihres Zimmers verzogen. Als ich stunden später mit dem leeren Käfig zurückkam, saß sie immer noch genau am gleichen Ort. Ich bin sicher, ihr war klar, was da geschehen ist. Ich habe ihr erklärt, das Coco nicht mehr kommt und sie saß ganz still und hat mir zugehört. Ich wollte sie zu mir nehmen, was sie ablehnte. So saß sie weitere Stunden bis sie dann am Abend so gut für 30 Minuten zu mir kam. Dann wollte sie wieder zurück ins Vogelzimmer und ging schlafen. Sie hat diese ganze Zeit nicht gepfiffen und war einfach sehr ruhig. Als ich am nächsten Morgen ins Zimmer kam, sagte sie aus heiterem Himmel "Coco tschau, tschau". Seither ist der Name Coco aus ihrem Repertoire gestrichen!! Es ist unglaublich, wie sensibel und intelligent diese Tiere sind!
Es dauerte dann auch einige Tage, bis ich wieder mein fröhliches Mädchen hatte, das viel pfeifft und spricht. Weitere Verpaarungsversuche sind leider alle fehlgeschlagen. Ich habe inzwischen 5 Graue, die alle in einem großen Zimmer leben 2 Paare und eben Ori, die leider immer noch sehr auf mich fixiert ist.

                                                                                                                                                                                           Christine

4. Fallbeispiel: (Bourkesittiche)

Das ist eine interessante Frage, über die sich viele Menschen gar keine Gedanken machen. Tiere haben definitiv auch Gefühle, zu denen auch Trauer gehört. Von Hunden und Katzen kennt man das eher, aber bei Vögeln gibt es das definitiv auch.

Ich habe selbst erlebt, wie stark ein Vogel trauern kann. Ich habe 1998 zwei Bourkesittiche gekauft. Sie waren kein Paar, ich glaube es waren Schwestern. Die eine ist nach 5 Jahren krank geworden, im letzten Jahr dann gestorben. Früh morgens ist es passiert. Ich habe noch gehört, wie sie aufgewacht sind, dann habe ich ein Geräusch gehört, als ob im Käfig etwas heruntergefallen ist. Dann bin ich aber wieder eingeschlafen und zwei Stunden später wieder aufgewacht. Ich bin dann ins Wohnzimmer um nach den Vögeln zu sehen. Da saß Olli auf ihrem Lieblingsschrank und hat ganz komisch getschiept. Dann habe ich gesehen, daß die andere tot im Käfig lag. Olli hat richtig geweint. Natürlich ohne Tränen, aber man konnte ihr ansehen, daß sie richtig traurig war.
So lange wir ihre tote Schwester im Käfig lag, ist Olli nicht wieder hineingegangen. Sie war in den Tagen völlig von der Rolle und hat sich total auf uns fixiert. Sie war unglücklich, wenn wir weggegangen sind, sie hat sofort laut nach uns gerufen, wenn wir wiedergekommen sind und wenn sie nur den Schlüssel in der Tür gehört hat.
Als Stan noch lebte, hat Olli morgens immer fröhlich getschiept. In den Tagen nach Stans Tod hat Olli auch getschiept, aber es klang total frustriert und traurig. Wir hatten echt Angst, dass sie uns aus Trauer eingeht.

Endlich nach einer Woche hatten wir neue Freunde für sie gefunden. Sie hat sich so gefreut, als wieder Artgenossen da waren. Aber es hat noch ein paar Wochen gedauert, bis sie wieder "normal" war. Wir hatten noch lange den Eindruck, dass sie Stan manchmal noch vermisst. Das können wir uns natürlich auch eingebildet haben, aber sie sah so aus.

Auf jeden Fall sind Vögel keine gefühllosen Federbälle. Sie empfinden auf jeden Fall Freude und Trauer. Sicher etwas anders als wir Menschen, aber auf ihre Weise tun sie es.

                                                                                                                                                                                                 Susi
 
Trauern die verschiedenen Papageienarten unterschiedlich?


Einerseits erliegt man gern der Versuchung, Tierverhalten als einfach strukturiert und gleichförmig abzutun. Andererseits interpretiert man – beeindruckt durch erstaunliche Parallelen im Verhalten von Mensch und Tier -, mehr hinein, als von der Natur angelegt ist.

Diese vier Beispiele zeigen deutlich, dass Papageienvögel sehr wohl trauern, egal welcher Papageienart sie angehören. Sie sind durchaus in der Lage zu erkennen, dass der Partnervogel tot ist und sie trauern! In Australien werden tote Kakadus am Galgen aufgehängt, um die Kakaduschwärme, die als Ernteschädlinge erhebliche Schäden anrichten, von den Getreidefeldern fern zu halten. Ein toter Vogel in einer Falle verjagt den ganzen Schwarm für Monate. Gewaltsame Unfälle werden also auch von Papageien sehr wohl bemerkt.

Jede Papageienart mag unterschiedlich trauern, es besteht aber keinerlei Zweifel, dass Papageien um den toten oder verlorengegangen Partnervogel trauern. Möglicherweise werden Halter von Graupapageien, Kakadus, Aras oder Sittichen intensivere Trauer bei ihren Vögeln beobachten als bei Amazonen, die aufgrund ihres Charakters als etwas robuster gelten.

5. Fallbeispiel: (Amazonen, Wildfänge)

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Meine beiden männlichen Blaustirnamazonen Ricco und Lora waren über zehn Jahre ein überaus harmonisches „Paar“. Wo der eine Vogel war, war der andere nicht weit; sie „brüteten“ sogar regelmäßig.

Am Abend des 28.12.2002 starb Ricco mit 12 Jahren plötzlich und ganz ohne Vorwarnung. Eben wollte er ein Stückchen warme Kartoffel nehmen, schnaufte kurz, fiel rückwärts in die Voliere und lag tot auf dem Boden. Sein langjähriger und innig geliebter Partnervogel Lora war ebenso fassungslos wie ich. Für mich fiel eine Welt in Scherben! Lora lief aufgeregt und schreiend um den toten Vogel herum, stubste ihn an und versuchte, den Freund zum Aufstehen zu bewegen. Zwischendurch gab er leise glucksende Laute von sich als würde er mit Ricco noch ein letztes Mal sprechen und sich verabschieden. Nach ungefähr zwei bis drei Stunden kletterte Lora auf seine Schlafstange und verlangte abgedeckt zu werden. Er wollte nun bitte schlafen. Am nächsten Morgen zeigte Lora keine Spur von Trauer und suchte auch nicht nach Ricco. Für ihn war dar „Fall“ abgeschlossen. Ich persönlich habe auch nach fast drei Jahren Ricco´s Tod nicht verwunden.

                                                                                                                                                                             Eigene Erfahrung

6. Fallbeispiel: (Amazonen, Wildfänge)
Lisa, Blaustirnamazone, ca. 20 Jahre alt und Wildfang trauerte nach dem Tod ihres Partners Fernando auch „nur“ einen bis ein einhalb Tage, suchte danach vermehrt unsere Gesellschaft und fing an, mehr zu sprechen.

                                                                                                                                                                                                   Anja

Unterschiedlicher können die Reaktionen kaum sein! In den Beispielen 5 + 6 waren die Amazonen eng verpaart! Warum trauerte Lora nur für wenige Stunden? Ich muss noch anmerken, dass wir am nächsten Tag mit Lora sehr früh zu einer langen Fahrt aufbrachen, um einen neuen Partner für ihn zu finden. Er hatte vielleicht einfach keine Gelegenheit länger zu trauern? Zudem sind Lora aus Beispiel 5 und Lisa aus Beispiel 6 Wildfänge und haben unbestimmte Zeit in Freiheit verbracht. Dort hatten sie Gelegenheit, alle Verhaltensweisen zu lernen, die für das Überleben in der Natur notwendig sind. Ein trauernder Artgenosse stellt für den gesamten Schwarm eine Gefahr dar und ist auch, wie oben erwähnt, kein Sozialpartner. Das erklärt vielleicht die „kurze“ Trauerzeit von wenigen Stunden bis Tagen.


Inwieweit spielt die Beziehung der Papageien zueinander eine Rolle?

Dies hängt vermutlich zum einen von der Dauer und der Intensität der Beziehung der Papageien zueinander ab. Papageien, die sehr eng und lange verpaart waren, oder miteinander Junge aufgezogen haben, werden sicher intensiver und länger trauern, als Vögel, die nur kurze zeit lediglich in Freundschaft miteinander verbunden waren. Zum anderen könnte es davon abhängen, ob der hinterbliebene Vogel nach dem Tod des Partners allein oder in einer Gruppe lebt. Ein nun einzeln lebender Papagei wird sich nach dem Verlust seines Gefährten einsam und allein fühlen, es fehlen die Sozialkontakte wie Kraulen, gegenseitiges Putzen, Füttern und gemeinsames Schlafen. Ein trauernder Papagei, der in einer Gruppe lebt, wird von der Gruppe aufgefangen werden, er kann sich unter den Artgenossen die Sozialkontakte holen, die er braucht, falls er dies möchte.
 

Spielt es eine Rolle, ob der Hinterbliebene Vogel den Tod seines Partners miterlebt und ihn in den Tod begleitet?
 

Diese Frage lässt sich eindeutig beantworten. Ein Papagei, der den Tod seines Partners miterlebt und sieht, wie er stirbt, erkennt den Tod. Er weiß, dass sein Partner gestorben ist, wird ihn vielleicht noch ein zeitlang suchen und sich nach einiger Zeit wieder dem Leben zuwenden. Wenn aber Partner entfliegt oder der vielleicht kranke Vogel beim Tierarzt in der Praxis eingeschläfert werden muss, weiß der Hinterbliebene nicht, wo sein Partner geblieben ist. Er wird auf ihn warten, ihn verzweifelt suchen und immer noch die vage Hoffnung haben, dass der Gefährte zurückkehrt.
 

Schlussbetrachtung:

Diejenigen, die nicht die einzigartige Bindung zwischen Mensch und Papagei oder zwischen zwei Papageien selbst erlebt haben, können kaum den Schmerz und die Trauer nachempfinden, die der Verlust des Vogels bedeutet. Diese Halter werden häufig als überemotional oder schlicht verrückt abgetan. Denn: wie kann ein Wesen ohne weiches Fell kuschelig oder auf den Halter ausgleichend wirken, geschweige den zum Knuddeln sein? Wie kann ein Geschöpf wie ein Papagei mit solch potentiell schmerzhaften Waffen wie Schnabel und Krallen anhänglich, herzlich oder gar zärtlich sein?

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Papageien sind mental und emotional hochentwickelte Tiere, die natürlich trauern können. Die Reaktionen auf Tod und/oder Verlust können individuell unterschiedlich sein: manche Vögel ziehen sich zurück, fressen wenig oder gar nicht, sprechen, singen oder pfeiffen nicht mehr. Sie verlieren jegliche Lebensfreude, kümmern nur noch und zeigen alle Anzeichen einer Depression. Manche sterben sogar aus Kummer. Eine Studie an der Universität Wien belegt, dass Papageien in einer intakten Beziehung eine verringerte Aktivität der Nebennierenrinde zeigen, während gestresste Vögel nach einer Trennung stark erhöhte Corticosteronwerte (Stresshormon) aufweisen.

Der Tod ist in der Natur und in der Tierwelt stets gegenwärtig, daher denke ich, dass Papageienvögel ganz genau wissen, wie sie mit der Situation umgehen müssen und dass sie vielleicht viel besser über die Vorgänge von Leben und Tod bescheid wissen als wir. Ich finde es wichtig, dass ein Vogel sehen kann, wie sein Partner schwach wird und dann stirbt. Problematisch ist immer, wenn der Partnervogel aus irgendeinem Grund entfernt werden muss und er dann für den Partner nicht mehr sichtbar ist/bleibt. Der Überlebende hat immer die Hoffnung, dass sein Partner zu einem späteren Zeitpunkt zurück kehrt.

Wann ein neuer Papagei hinzugesetzt werden soll, hängt ebenfalls vom individuellen Charakter des hinterbliebenen Papageienvogels ab. Es braucht eine gewisse Zeit, bis ein geeigneter Partner gefunden wird und in dieser Zeit könnte der Vogel seine Trauer verarbeiten und sich dann in Ruhe wieder dem Leben zuwenden. Mehrere Halter berichteten, dass die Vögel den hinzugesetzten neuen Vogel mit Misstrauen, sogar mit Aggressionen begegneten. Erst nach einer Weile wurde der „Neue“ akzeptiert. Andere berichteten, ihre Vögel hätten mit Freude den „Neuen“ sofort akzeptiert.

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Papageien spüren das Leid ihrer Halter, sind von ihrem Kummer beunruhigt und leiden dadurch sicher noch mehr. Der ebenfalls um seinen toten Papageien trauernde Halter muss versuchen, dem hinterbliebenen Vogel in seiner Trauer zu helfen; er kann beruhigend auf ihn einreden, ihm mehr Aufmerksamkeit schenken und somit mit dem Papagei zusammen die Zeit der Trauer überwinden.

Ganz sicher müssten noch Fragen wie Herkunft, Aufzucht, Sozialisierung und Haltungsbedingungen, wann und ob der hinterbliebene Papagei einen Partner zur Auswahl bekam, untersucht werden.

Ich bin auch versucht zu glauben, dass manchmal menschlich Züge in die Vögel hineininterpretiert werden, wenn man von solchen Geschichten hört und einige Menschen werden sicher die Trauer bei Papageien allgemein als Unsinn abtun.

Wir können kaum die Seele des Tieres ergründen, wissen eigentlich nicht, was es denkt, was in ihm vorgeht und wie es uns wahrnimmt.
 

 Text und Fotos: Webmaster

Ein großes "Dankeschön" an meine Freundin  Karin für ihre Geduld beim Gegenlesen des Artikels.

Quellen:

Per E-Mail:

Prof. Dr. Erhard F. Kaleta
Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Justus-Liebig-Universität Gießen, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen

Dr. Norbert Kummerfeld
Klinik für Zier- und Wildvögel (Klinik für Geflügel)
Tierärztliche Hochschule Hannover
Bischofsholer Damm 15  30173 Hannover

Dr. Eva Millesi
Institut für Zoologie
Universität Wien Athanstr. 14.
A-1090 Wien.

Jan Hooimeijer
Member:International Association of Animal Behavioral Consultants
(IAABC)
Kliniek voor Vogels/Clinic for Birds
Galgenkampsweg 4 7942 HD Meppel (Niederlande)

Lars Lepperhoff
Lutschenstrasse 15
3063 Ittigen
Schweiz

Thomas Braunsdorf
Tierheilpraktiker und
Dipl.-Lebensenergieberater Tier mit dem Schwerpunkt Vögel
Klassische Homöopathie
15827 Dahlewitz bei Berlin

Dr. Frank Enders (telefonisch)
Poliklinik für Vögel und Reptilien
Universität Leipzig
An den Tierkliniken 17
04103 Leipzig

“Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins”
Marian Stamp Dawkins
Rororo science Verlag

“Do parrots grieve?”
Bird Talk Magazine, USA

“Seelische Störungen bei Tieren”
Prof. Dr. med. Volker Faust
www.psychosoziale-gesundheit.net

Mitglieder der Foren:
www.vogelforen.de
www.papageientreff.org
www.vogel-portal.de
www.wellensittich.net
www.nymphensittich-forum.net