Zur Bedeutung der Quarantäne in der Ziervogelhaltung

Der Begriff ,,Quarantäne" ist ursprünglich von ,,quarte" (40 Tage) abgeleitet, die Pestverdächtige in der 1383 in Marseille eingerichteten ,,Isolierstation" verbringen mußten. In der Geschichte wurde dieser Begriff sehr oft im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Epidemien wie z.B. der Pest benutzt. So durften Schiffe mit ,,der Pest an Bord" in keinen Hafen einlaufen und wurden ,,auf Quarantäne gesetzt".

Beim Tierverkehr bedeutet der Begriff ,,Quarantäne" die räumliche und personelle Trennung bestimmter Tiere (in der Regel Neuzugänge) über einen bestimmten Zeitraum, welcher der maximalen Inkubationszeit der bedeutendsten Tierseuchen bei Nutztieren (in d. R. 28 Tage) entspricht. Während dieser Zeit soll bei diesen Tieren das Freisein von Infektions- und Invasionskrankheiten abgesichert und somit der wertvolle Tierbestand vor einer Seucheneinschleppung geschützt werden.

Viele Vogelkrankheiten können aber erst viel später als nach 28 Tagen zum Ausbruch kommen. Bei latent infizierten (angesteckten, aber nicht erkrankten) Vögeln kann es teilweise bis zu 2 Jahren und länger (!) dauern, bis Krankheitsanzeichen auftreten. Solange kann und will natürlich niemand warten, um neue Tiere in den Bestand einzugliedern. Deshalb sollen bei den Neuzugängen während der Quarantänezeit durch gezielte Maßnahmen möglichst viele Gesundheitsrisiken für den Gesamtbestand ausgeschlossen werden.

Im Einzelnen sind es bei den in Frage kommenden Erkrankungen auch sehr unterschiedliche Vorgehensweisen, welche im Wesentlichen hier erörtert werden sollen.

Zur Einschleppungsvermeidung von Endo- und Ektoparasiten kann bei der heutigen Medikamentensituation zur prophylaktischen (vorbeugenden) Behandlung (Verabreichung entsprechender Parasitenpräparate) geraten werden. Je nach Vogelart muß man sich dabei besonders gegen Einzeller (z.B.Kokzidien), Würmer (z.B. Spulwürmer) oder Milben (z.B. Luftsackmilben oder Grabmilben) schützen. Da bei Wildfängen immer wieder die in unseren Breiten nicht ausbreitungsfähigen Bandwürmer zu Verlusten führen, sollte bei Importpapageien auch eine vorbeugende Bandwurmbehandlung erwogen werden.

Zur Einschleppungsvermeidung von Bakterien ist eine prophylaktische Antibiotika-Behandlung abzulehnen, da dadurch einer Ausbreitung der schwerwiegenderen Pilzinfektionen (besonders Aspergillose) Vorschub geleistet werden kann. Ein unkritischer Einsatz von Antibiotika führt außerdem zu einer Verschlechterung der Resistenzsituation, im ungünstigsten Fall wirken diese Medikamente bei wirklich schwerwiegenden Infektionen dann nicht mehr! Man sollte also zum Ausschluß einer Bakterieninfektion eine bakteriologische Untersuchung (BU) durchführen lassen.

Zur Untersuchung auf Chlamydien (Psittakose) sollte aufgrund der Besonderheit dieses Erregers (intrazelluläre Lebensweise) die Untersuchung durch einen Augen- und Rachenabstrich erfolgen, Kotuntersuchungen sind zu unzuverlässig. Bei einem positiven Befund des Quarantänevogels unterliegt nur dieser den Bestimmungen der Psittakose-Verordnung und es wird nicht der gesamte Bestand gesperrt.

Die Behandlung eines einzelnen Vogels ist wesentlich einfacher und preiswerter im Verhältnis zu einer Psittakose-Bestandssanierung! Deshalb ist aus unserer Sicht dies die wichtigste Untersuchung während der Quarantänisierung und sollte immer durchgeführt werden.

Die wichtigsten Virusinfektionen (Pacheco, Polyoma, PBFD) sind heute serologisch (Untersuchung einer Blutserumprobe)  oder molekulargenetisch (PCR) nachweisbar. Zum Teil (z.B. PBFD und Polyoma) ist dies auch schon in Feder- und anderen Gewebeproben möglich. Die Ergebnisse aller genannten Untersuchungen liegen in der Regel innerhalb weniger Tage vor.

Immer noch ein großes Problem ist die Macaw Wasting Disease (MWD, Neuropathische Drüsenmagenerweiterung). Es gibt z.Z. keine zuverlässigen Tests, welche das Vorliegen dieser Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen können. Am praktikabelsten erscheint aus unserer Sicht, Vögel empfänglicher Arten über mindestens 3 Monate in Quarantäne zu halten, denn in diesem Zeitraum kommt diese Erkrankung zu 80% zum Ausbruch (teilweise aber auch nach über 2 Jahren).

Pilzinfektionen (besonders Aspergillose) entstehen hauptsächlich durch Aufnahme von verpilztem Futter und werden in den seltensten Fällen von Tier zu Tier übertragen. Eine Untersuchung auf Pilzinfektionen gibt uns also eine Aussage über das einzelne Tier. Für den Bestand kann eine Gefährdung davon nicht abgeleitet werden.

Quelle: www.vogeldoktor.de