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Der Tagesrhythmus der verschiedenen Papageienarten im Freiland unterscheidet sich nur geringfügig. Früh morgens nach Sonnenaufgang fliegen sie außerhalb der Brutzeit einzeln, in kleinen oder auch größeren Schwärmen zu den Wasser- und Futterstellen. Generell kann gesagt werden, dass die Bewohner der bewaldeten Gebiete in kleineren Gruppen oder einzeln auf Nahrungssuche gehen, während die Bewohner der großen freien Flächen, wie etwa viele Sittiche oder Kakadus in Australien, aus Sicherheitsgründen große Schwärme bilden können. Mittags werden häufig Ruheplätze bezogen, um die wärmste Tageszeit im Schatten zu verbringen. Diese Ruhezeiten werden meistens zur Gefiederpflege, aber auch zur Pflege sozialer Kontakte benutzt. Am Nachmittag suchen sie dann noch einmal die Nahrungsgebiete auf, um zu fressen und Wasser aufzunehmen. Abends kehren sie zu ihren Schlafbäumen zurück. Da die Papageien nicht immer an den gleichen Orten das benötigte Futter vorfinden, sind sie gezwungen, häufig größere Wanderungen zu unternehmen, die oftmals in einem jahreszeitlichen Rhythmus durchgeführt werden.
Der Tagesablauf brütender Papageien sieht im Prinzip ähnlich aus, allerdings gehen die Partner in der Regel einzeln auf Nahrungssuche, solange das Nest nicht alleine gelassen werden kann. Da bei den meisten Papageienarten nur die Weibchen brüten, gehen normalerweise die Männchen auf Nahrungssuche. Eine Ausnahme machen hier viele Kakaduarten, da sie abwechselnd brüten und der Partnervogel in seiner "freien" Zeit Nahrung suchen kann. Natürlich können Papageien, die gerade Junge zu versorgen haben, nicht so lange Pausen einlegen wie die nicht brütenden Tiere, da sie sehr viel Zeit benötigen, um das Futter für die Jungen heranzuschaffen. Wie schon erwähnt, unterliegen viele Papageienarten einem jahreszeitlichen Rhythmus, der von dem Nahrungsangebot abhängig ist. Selbst in den tropischen Urwäldern stehen nämlich nicht alle Nahrungsquellen ganzjährig zur Verfügung, so dass bei fast allen Papageienarten bestimmte Brut- und Ruhezeiten auszumachen sind. Dies hat auch mit der Spezialisierung der einzelnen Arten auf bestimmte Nahrungspflanzen zu tun. Während der Brutzeiten leben die Vögel meistens verstreut in kleinen Verbänden und schließen sich nach dem Brutgeschäft wieder zu größeren Gruppen zusammen.
Betrachtet man nun das Verbreitungsgebiet, das Verhalten und das Äußere der Papageien, können auch nach unserem heutigen Kenntnisstand schon Rückschlüsse auf die Art der Ernährung .gezogen werden. Besonders offensichtlich ist das bei den Loris, deren Schnabel und Zunge sie eindeutig als Besucher von Blüten einstuft. Ihre Schnäbel sind denkbar ungeeignet zum Schälen von Sämereien. Auch die Ausbildung der Zunge deutet nicht auf einen Samenfresser hin. Dagegen weisen die großen Schnäbel einiger Papageien wie zum Beispiel der großen Aras oder auch des Palmkakadus (Probosciger aterrimus) eindeutig auf den Verzehr von hartschaligen Früchten hin, die nur unter größerer Krafteinwirkung geknackt werden können. Die Schnäbel vieler anderer Papageien wie zum Beispiel die der Amazonen sind dagegen zum Verzehr von Sämereien oder Früchten verschiedener Arten gleich gut geeignet. Hier können aber die von den Tieren bewohnten Landschaften erste Aufschlüsse über die genutzten Nahrungsressourcen geben. So werden die Wald bewohnenden Papageien vermutlich kaum oder nur wenig Grassamen und dergleichen aufnehmen, weil diese dort einfach nicht oder nur im geringen Umfang wachsen. Diese Papageien ernähren sich also überwiegend von Früchten, die an Bäumen oder Sträuchern wachsen. Die Bewohner weitläufiger Grasebenen halten sich dagegen häufig auf dem Boden auf und nehmen die dortigen Grassamen und Samen weiterer kleinwüchsiger Pflanzen auf. Übrigens führen diese Papageien die Nahrung offensichtlich wesentlich seltener mit dem Fuß zum Schnabel, als das bei denjenigen Tieren der Fall ist, die ihre Nahrung nicht am Boden suchen.
Weitere Nahrungsspezialisten, zu denen zum Beispiel der Borstenkopfpapagei, der Kea, aber auch der Nasenkakadu gehören, können an einer vom normalen Papageienschnabel abweichenden Schnabelform erkannt werden. Diese hat sich im Laufe der Evolution den Ernährungsgewohnheiten der Tiere angepasst. So ernährt sich der Borstenkopf überwiegend von Früchten, während die beiden anderen genannten Arten häufig Wurzeln und dergleichen aber auch Insekten und ihre Larven aus dem Boden graben.
Quelle:
Die Ernährung der Papageien und Sittiche Hans-Jürgen Künne ISBN: 3-9805291-5-0 2000 Arndt Verlag
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