Ruhen und Schlafen
Papageien in Menschenhand sind hauptsächlich in den Morgen- und Nachmittagsstunden aktiv, Einzelvögel unter Umständen auch in den Abendstunden, wenn die ganze Familie zu- hause ist und sich im gleichen Raum aufhält wie der Papagei. In den dazwischenliegenden Stunden ruhen die Vögel meist, haben ihr Gefieder leicht abgestellt, sitzen auf einem Bein und mit geschlossenen oder halbgeschlossenen Augen auf ihrem Sitzplatz. Gelegentlich drehen sie den Kopf über die Schulter und stecken den Schnabel ins Rückengefieder. Erwachsene gesunde Papageien schlafen auf einem Bein, schließen die Augen völlig und verbergen in der Regel immer den Kopf im Rückengefieder. Jungtiere und kranke Papageien schlafen oft auf beiden Beinen. Kranke Vögel ruhen und schlafen länger als gesunde Artgenossen, sind wenig aktiv und verhalten sich auch dann ruhig' wenn ihre Käfig- oder Volierenmitbewohner munter herumturnen.

Sozialverhalten
Die meisten Papageienarten leben in freier Natur in Schwärmen, größeren Gruppen oder wenigstens in Familienverbänden zusammen. Für das Zusammenleben mit Artgenossen sind Verhaltensweisen notwendig, die ein möglichst reibungsloses und kräfteschonendes Miteinanderleben gewährleisten. Um diesen Zweck zu erreichen, haben die Papageien zum Teil zahlreiche komplizierte und differenzierte Ausdrucksweisen ausgebildet, die von allen Schwarmmitgliedern und insbesondere den Geschlechtspartnern verstanden werden. Dazu gehören Stimmäußerungen ebenso wie Bewegungsabläufe oder Körperhaltungen, die zum größten Teil angeboren sind. Einige »Umgangsformen« der Papageiengesellschaft lassen sich auch bei

                                                                  
                                                                                 Papageien schlafen in der Regel auf einem Bein, 
                                                                das andere ist ins Bauchgefieder gezogen. 
                                                                Der Kopf wird ins Rückengefieder gesteckt.  

Papageien in Menschenobhut häufig beobachten. Für den Halter mehrerer Papageien sind diese Verhaltensweisen besonders wichtig, denn er kann daran ablesen, welche Tiere miteinander harmonieren, vielleicht sogar Paare bilden, die zur Brut schreiten. Sehr häufig kann man sowohl bei Käfig- als auch bei Volierenvögeln, die schon lange zusammenleben und sich gut kennen, beobachten, dass sie sich gegenseitig - gleichzeitig oder auch im Wechsel - am Kopf kraulen. Diese Form des Kontaktes, die im allgemeinen als soziale Gefiederpflege bezeichnet wird, dient vor allem der Befriedigung des körperlichen Kontaktbedürfnisses mit einem Artgenossen. Das gegenseitige Kraulen hat außerdem noch eine sehr praktische Funktion: Die Vögel putzen sich gegenseitig das Gefieder an den Stellen, die sie mit ihrem Schnabel selbst nicht erreichen können (vor allem im Kopf- und Kehlbereich). Auch gleichgeschlechtliche Papageien kraulen sich gelegentlich, in erster Linie dann, wenn nur zwei Vögel einer Art zusammenleben und keine Möglichkeit besteht, sich einem gegengeschlechtlichen Partner anzuschließen. Das Geselligkeits- und Kontaktbedürfnis ist bei Papageien so groß, dass es auch bei völlig artfremden Papageien notfalls zu sozialen Kontakten kommt, die beiden Tiere kraulen sich und sitzen während der Ruhephasen eng beieinander. Aufgrund dieser unabänderlichen Bedürfnisse schließen sich Einzelvögel auch eng ihrem Pfleger an und akzeptieren ihn als »Partner«.


Partnerfüttern 
Das Partnerfüttern hat, ebenso wie die soziale Gefiederpflege, eine paarfestigende Funktion. Gleichzeitig erfüllt es jedoch auch die Aufgabe einer »Erprobung späterer Pflichten«. Geprobt wird für die gemeinsame Jungenaufzucht, während der das männliche Tier das brütende Weibchen mit Futter versorgt. Zur Fütterung des Weibchens würgt das Männchen - oft unter nickenden Kopfbewegungen - Futterschleim aus seinem Kropf hervor; das Futter wird von Schnabel zu Schnabel übergeben, wobei wohl die Zunge Hilfestellung leistet. Außerhalb der Fortpflanzungsperiode ist das Partnerfüttern nur selten zu beobachten.

Angriffs- und Drohverhaltensweisen
Alle Verhaltensweisen, die gegen den Artgenossen gerichtet sind, also vor allem Angriff und Drohen, fassen Verhaltensforscher unter dem Begriff agonistisches Verhalten zusammen. Angriffs- und Drohverhaltensweisen sind während des ganzen Jahres über zu beobachten, in verstärktem Maße jedoch während der Brutzeit. Durch die besonders enge Bindung zweier Tiere, später auch durch die Notwendigkeit, den Nachwuchs zu schützen, entstehen während der Fortpflanzungsperiode      

       © Volker M.
     
Drohverhalten

Konfliktsituationen, die unvermeidbar aggressive Absichten aufkommen lassen. Meist wird die Absicht durch Imponier- und Drohverhalten lediglich »demonstriert«, zu schweren Kämpfen, die mit Verletzungen enden, kommt es nur selten.

Imponieren.
Als Ausdrucksbewegung mit der geringsten Angriffsabsicht ist das Imponieren zu werten. Es ist oft, aber nicht ausschließlich im Zusammenhang mit der Balz zu beobachten. Um ihren Körper möglichst eindrucksvoll zu präsentieren, stellen imponierende Großpapageien die Flügel ab, fächern den Schwanz und sträuben das Nackengefieder; Kakadus richten ihre oft farbenprächtige Haube auf. Auf diese Weise werden alle farbigen Abzeichen der Papageien, die zum Beispiel bei angelegten Flügeln und geschlossenem Schwanz verdeckt wären, deutlich hervorgehoben. Außerdem wird der Körper optisch vergrößert, so dass zum einen eventuell vorhandene Rivalen abgeschreckt, zum anderen dem auserwählten Partner die eigenen körperlichen Vorzüge dargeboten werden, in der Hoffnung, dass man ihm damit »imponiert«.  

Schnabelöffnen:
Zu den Regeln des Zusammenlebens in einem Schwarm gehört auch, dass die Artgenossen untereinander die lndividualdistanz einhalten, das bedeutet, die Artgenossen halten einen bestimmten Abstand voneinander. Wie groß dieser Abstand einem bestimmten Artgenossen gegenüber sein muss, »weiß« jedes Schwarmmitglied. Beim Kontaktsitzen, des engen Beieinandersitzen zweier verpaarter Vögel, wird die Individualdistanz sogar ganz aufgehoben. Wenn ein Vogel den Individualraum des anderen verletzt, wird der Eindringling abgewiesen. Und zwar durch Verhaltensweisen wie das Schnabelöffnen. Der bedrängte Papagei wendet dem Eindringling unter knurrenden Lautäußerungen den Kopf zu, öffnet den Schnabel und stößt mehrmals in Richtung des Gegners, ohne allerdings wirklich von seinem gefährlichen Beißwerkzeug Gebrauch zu machen. Diese Verhaltensweise ist ausschließlich als Drohverhaltensweise anzusehen, denn der unterlegene Vogel räumt ohne große Eile das Feld, einen Kampf hat er nicht zu fürchten.

 
© Volker M.

                                                                   Schnabelgefechte zwischen Papageien enden 
                                                             selten mit ernsthaften Verletzungen der Kontrahenten.

Fußgefecht und Fußheben:
Wie das Schnabelöffnen sind das Fußgefecht und das Fußheben vor allem als defensives (abwehrendes) Drohverhalten mit nur sehr geringer Angriffsabsicht zu bewerten. Das bedrohte Tier wendet dabei den Fuß gegen die Brust des Angreifers, ohne die Absicht zu zeigen, seinen Platz zu verlassen. Häufig erhebt daraufhin auch der Eindringling seinen Fuß und trägt mit seinem Gegenüber ein regelrechtes Fußgefecht aus. Der unterlegene Vogel räumt nach der Auseinandersetzung in der Regel seinen Platz.

Schnabelgefecht:
Gelegentlich folgen echte Schnabelgefechte auf eine der beiden zuvor beschriebenen Drohhandlungen. Der Schnabel des Angreifers wird gegen Kopf, Schulter und Schnabel des Gegners gerichtet, der die Attacken meist pariert und versucht, seinen Platz zu verteidigen. Deutlich wird auch hier - wie bei dem Drohen mit geöffnetem Schnabel - die soziale Beißhemmung, denn immer wieder ignorieren beide Beteiligten die sich häufig bietenden ungeschützten Körperpartien des Gegners. Sie beißen letztlich doch nicht zu, auch wenn sich viele Chancen dazu bieten.

Ernstkämpfe:
Zu ernsthaften Auseinandersetzungen, die mit Verletzungen der Kontrahenten enden, kommt es bei Großpapageien nur sehr selten.
Bei zwei Amazonenpapageien konnte ich einmal einen Ernstkampf beobachten: Die beiden Amazonen lebten in nebeneinanderliegenden Volieren und gelangten durch einen Zufall gemeinsam in ein Abteil. Sie stürzten sich sofort wild aufeinander, flatterten von den Sitzästen auf den Volierenboden herab und bissen unter lautem Geschrei aufeinander ein. Selbst als sich ein Vogel auf den Rücken legte und sich mit Krallen und Schnabel verteidigte, ließ der andere nicht freiwillig von ihm ab, er musste mit Hilfe von Kescher und Handschuh von seinem Gegner getrennt werden.

Quelle:
Papageien
W. Lantermann
GU Verlag