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Stets pflegtenMenschen eine besondere Beziehung zu Papageien. Von den Bewohnern vieler tropischer Länder, in denen Papageienvögel freilebend vorkommen, weiß man, dass sie zu allen Zeiten Papageien gehalten haben - sei es als lebende "Nahrungsreserven", sei es als "Spender" bunter Federn für Brauchtum und Folkore, sei es aus reinem Spaß am Betrachten und Besitzen eines bunten Käfigvogels (Strunden 1984).
Den urtümlichsten Naturvölkern gelten Papageienfedern und -bälge auch heute noch als Symbole, Zeremonialobjekte oder Totemtiere in Kult und Religion. Von manchen Volksstämmen Südamerikas und Südostasiens wird berichtet, dass sie lebende Papageien halten, denen regelmäßig die Schwanzfedern ausgerupft werden, um sie zu Kult- und Schmuckgegenständen (Feder- schmuck, Federhaube, Gesichtsmasken, Trauergewänder, Kriegs-, Tanz- und Bootsschmuck) zu verarbeiten. Graupapageien werden in Teilen Afrikas wegen ihrer roten Schwanzfedern gejagt, in bestimmten Regionen Westafrikas bleiben sie dagegen unbehelligt, weil sie dort als heilige Tiere gelten. Bei einem Papuastamm in Neuguinea wird noch heute der Brautpreis zum Teil mit den roten Federn des Borstenkopfpapageien (Psittrichas fulgidus) bezahlt. Einem anderen Papuastamm gelten schwarze Tiere, die sich von Früchten ernähren, als heilige Tiere, in denen die Seelen Verstorbener weiterleben. Zu ihnen gehört auch der Palmkakadu (Probosciger aterrimus). Bei den Ureinwohnern Australiens gelten schwarze und weiße Kakadus als Totemtiere, die als Helfer und Beschützer fungieren (Strunden 1984). Auch die Papageienhaltung ist in vielen Ursprungsländern der Papageien heute weit verbreitet. Allerdings bestehen Unterschiede zwischen den Kulturen. Die Campesinos in Teilen Südamerikas halten heute noch Amazonenpapageien (Amazona) und Sittiche (Aratinga, Psittacara, Pyrrhura), weniger auch Kleinpapageien (Forpus) und Aras (Anodorhynchus, Ara) in Drahtkäfigen, die sie von außen an ihre Hütten hängen. So besteht z. B. in Ecuador ein beachtlicher Binnenmarkt für Papageien, während das Export- aufkommen für den internationalen Markt vergleichsweise gering ist (Lantermann 1994 a). In Afrika dagegen findet man weitaus weniger Papageien im Besitz der einheimischen Bevölkerung. In Tanzania z. B. arbeiten die Vogelfänger mehr für den Export nach Übersee, während man privat gehaltene Vögel nur sehr selten antrifft. In Südostasien und Indonesien verhält es sich ähnlich. Hier steht der Vogelfang für den Export nach Übersee im Vordergrund. Manche Tier- und Artenschützer vermuten gerade hier den Dreh- und Angelpunkt des internationalen Geschäftes mit geschützten Tieren jeglicher Art. Unter den Papageien sind besonders die selteneren indonesischen Kakadus und einige hochbedrohte Loriarten begehrt. Private Vogelhaltung spielt in diesem Kulturbereich dagegen eher eine marginale Rolle, allerdings werden besonders die farbenprächtigen Loris auf einigen indonesischen Inseln hier und da auch als Heimtiere gehalten. In Australien dagegen gehört, wie in fast jeder "westlich" ausgerichteten Kulturnation, die Vogelhaltung zum alltäglichen Bild. Lange Jahre standen hier die Plattschweifsittiche (Platycercus) im Vordergrund, seit geraumer Zeit richtet sich das Interesse der Vogelhalter aber auch auf manche seltenere Lori- und Kakadu-Art sowie auf die prächtig gefärbten Edelpapageien (Eclectus). Da andererseits der Export heimischer Tier- und Pflanzenarten in Australien seit Mitte der 1960er Jahre gesetzlich verboten ist, beschränkt sich der Handel mit Papageienvögeln - von Schmuggelexporten abgesehen - im wesentlichen auf den innerstaatlichen Bereich (Forshaw 1989). In Europa reichen die ersten Berichte über als Kriegsbeute oder Geschenke mitgeführte Halsbandsittiche (Psittacula krameri) aus Feldzügen in Afrika oder dem Nahen Osten zurück bis in die Zeit Alexander des Großen (Strunden 1984). Die Papageienhaltung war demnach zunächst ein Privileg der Herrschenden. Erst in der Epoche der Aufklärung, besonders in der Zeit nach Napoleon, gelangten Papageien vermehrt auch in die Hände des Bürgerstandes. Erste Menagerien wurden gegründet, so z. B. 1752 der Wiener Tiergarten Schönbrunn als erster Vorläufer der europäischen Zoologischen Gärten. Seit rund 150 Jahren ist schließlich die private Haltung von Papageien in größerem Umfang zu verzeichnen. In engem Zusammenhang damit ist auch die Gründung von Vereinen und die Herausgabe spezieller Zeitschriften für Vogelhalter - z. B. "Die Gefiederte Welt" seit 1872 - zu sehen (Stresemann 1951). In Deutschland war die Einfuhr von Papageien bis Mitte der 1930er Jahre erlaubt, aber das Interesse an den wildgefangenen Vögeln war - von Ausnahmen abgesehen - eher gering. Diese Ausnahmen betrafen vor allem den seit jeher wegen seiner Nachahmungsfähigkeit gerühmten Graupapagei und die afrikanischen Unzertrennlichen (Agapornis spec.), die Mitte der 20er Jahre einen wahren Boom unter den Vogelliebhabern auslösten. 1934 erließ die damalige Reichsregierung aufgrund seuchenhafter Erkrankungen, die im Zusammenhang mit der Einfuhr südamerikanischer Papageien auftraten, jedoch ein Einfuhrverbot für sämtliche Papageienvögel und ordnete die Tötung erkrankter Bestände an. Wegen der offensichtlichen Übertragbarkeit von Papageien auf den Menschen erhielt die Krankheit seinerzeit den Namen "Psittakose". Mit dem Fortschreiten der tiermedizinischen Forschung und der Entwicklung neuartiger Medikamente erwies sich die Psittakose später als behandelbar, und damit wurde auch das Importverbot für Papageien Mitte der 60er Jahre staatlicherseits wieder gelockert. Seit 1970 ist darüber hinaus die Behandlung erkrankter Tiere erlaubt. Seither erlebt der Handel mit Papageien aus allen Teilen der Welt - mit Ausnahme Australiens, das seit Jahren ein Ausfuhrverbot für die heimische Flora und Fauna aufrechterhält - einen enormen Aufschwung (Lantermann 1994 a). Bis heute hält dieses Interesse an Papageien vor allem bei den privaten Vogelhaltern an - zeitweise erreicht es ein Ausmaß, das die Tier- und Artenschützer auf den Plan ruft. Besonders die zweite Hälfte der 1980er und der Beginn der 1990er Jahre war weltweit von Massenimporten und Tierschutzskandalen geprägt, die u. a. auch die europäischen Vogelhalter in Misskredit gebracht haben. Allein in Deutschland wurden in den Jahren 1984 bis 1990 durchschnittlich 35 000 bis 40 000 Papageien jährlich legal importiert (Lantermann 1990a). Die Hauptherkunftsländer der Vögel lagen in Südamerika, Afrika und Indonesien. Neben der Europäischen Union gehörten außerdem Japan und die USA zu den Hauptabnehmern von wildgefangenen Papageienvögeln in der Weit. Das weltweite Importvolumen, von Papageien wurde zeitweise auf 750 000 bis 1 000 000 Exemplare jährlich geschätzt (MAFF 1990, Herkenrath 1994). Inzwischen sind dank internationaler Artenschutzabkommen, dank des Transportembargos einer Vielzahl von Fluggesellschaften, aber auch dank des verantwortungsvolleren Handelns einer inzwischen aufgeklärten "Verbraucherschaft" die Importzahlen wildgefangener Vögel deutlich zurückgegangen.
Tabelle 1. Genehmigte bundesdeutsche Papageienimporte für den 10-Jahres-Zeitraum 1986 bis1995, Wildfänge (Auszug aus den Jahresstatistiken des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bonn, 1986-1995; Kaiser-Pohlmann. briefliche Mitteilung.)
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Art
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1986
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1987
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1988
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1989
|
1990
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1991
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1992
|
1993
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1994
|
1995
|
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Graupapagei (Psittacus erithacus)
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5276
|
8204
|
8307
|
11878
|
7277
|
7215
|
4074
|
2880
|
3989
|
2959
|
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Blaustirnamazone (Amazona aestiva)
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6543
|
5751
|
6654
|
2243
|
2855
|
3320
|
889
|
1
|
4
|
3
|
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Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus)
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3443
|
5480
|
4714
|
4843
|
3935
|
5136
|
3620
|
1230
|
2460
|
2051
|
|
Pfirsichköpfchen (Agapornis fischeri)
|
3495
|
3375
|
2227
|
1913
|
3925
|
300
|
-
|
-
|
-
|
-
|
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Venezuela-Amazone (Amazona amazonica)
|
1217
|
494
|
1399
|
1508
|
1979
|
2031
|
1410
|
1350
|
836
|
1132
|
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Sonstige Amazonen (Amazona spec.)
|
2296
|
794
|
2617
|
5094
|
2948
|
748
|
1559
|
1295
|
1120
|
823
|
|
Pflaumenkopfsittich (Psitt. cyanocephala)
|
1175
|
1349
|
300
|
515
|
644
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
|
Gelbwangenkakadu (Cacatua sulphurea)
|
750
|
955
|
1034
|
897
|
149
|
-
|
11
|
3
|
-
|
-
|
|
Molukkenkakadu (Cacat. moluccensis)
|
319
|
235
|
9
|
2
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
|
-
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|
Goffinikakadu (Cacatua goffini)
|
450
|
846
|
-
|
-
|
-
|
-
|
8
|
-
|
-
|
-
|
|
Gelbbrustara (Ara ararauna)
|
103
|
115
|
190
|
279
|
511
|
180
|
149
|
180
|
54
|
88
|
|
Gesamtimport
|
41285
|
32968
|
38090
|
40558
|
34421
|
24322
|
14462
|
11171
|
11498
|
9696
|
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Zahl der importierten Arten/Unterarten
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96
|
86
|
11
|
96
|
92
|
71
|
41
|
43
|
38
|
>43
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Statt dessen überschwemmen nun Nachzuchten aus großen international tätigen Zuchtanlagen den Weltmarkt und decken damit einen großen Teil des Bedarfs, denn die Nachfrage nach Papageien ist ungebrochen, lediglich Fragen der Herkunft, der Beschaffung und des Preises werden heute aus Sicht des Tier- und Artenschutzes kritischer diskutiert als noch vor 10 Jahren. Wenig verändert haben sich dagegen über die Jahrzehnte hinweg vermutlich die Motive, die zur Anschaffung von Papageien führen, und die Funktionen, die Papageien im Leben "ihrer" Menschen einnehmen. Immer noch werden Papageien vordergründig wegen ihres farbenprächtigen Äußeren, ihrer Zähmbarkeit und ihrer Nachahmungsbegabung gehalten. Sie sind im Leben ihrer Halter aber wahrscheinlich weitaus mehr als die Botschafter einer ursprünglichen, intakten Natur, die uns in Europa seit langem verlorengegangen ist und nach der wir uns bei zunehmender Naturentfremdung immer mehr sehnen. Sie sind darüber hinaus sicherlich Kommunikationspartner, Schmuse- und Hätscheltiere, nehmen Ersatz(partner)funktionen in gestörten Beziehungen, kinderlosen Ehen oder im Single-Dasein ein (Lantermann, 1997).
Für den Tierarzt, der in seiner täglichen Praxis mit Papageien konfrontiert wird, sind die zuvor geschilderten Verhältnisse nicht ohne Bedeutung. Insbesondere mit Blick auf die hier zur Debatte stehenden psychischen Erkrankungen und adaptiven Verhaltensauffälligkeiten sind Kenntnisse über die Herkunft, Fangmethoden, Transportmethoden, Quarantänedauer, Zucht- und Aufzuchtmethoden, Haltungsbedingungen der Vögel sowie die Ausprägung der Mensch-Tier-Beziehung von großer Bedeutung. So lassen sich beispielsweise bestimmte außergewöhnlich erscheinende Verhaltensformen auf beengte Käfighaltung während des Transports (sog. Transportkisten) oder auf eine Massenhaltung in unzureichend ausgestatteten Volieren (z. B. fehlende Sitzgelegenheiten, ungünstige Position von Futtergefäßen während der Quarantänezeit zurückführen. Besonders zahme Jungvögel entstammen vielleicht einer Handaufzucht und allen damit verbundenen Problemen. Dauerschreiende oder federrupfende Großpapageien (z. B. Aras oder Kakadus) sind vielleicht in einer wichtigen Entwicklungsphase von Vogelfängern aus ihrem Nest im Heimatland gerissen, bis zur Selbständigkeit aufgepäppelt und dann nach Übersee verfrachtet worden. Federrupfende oder schreiende Papageien lassen u. U. eine gestörte Beziehung zu ihrem Menschenpartner erkennen usw.
... Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass mit der "Psychotherapie" für Papageien heute nicht nur Tierärzte beschäftigt sind (und von den Haltern für kompetent erklärt werden), sondern in zunehmendem Maße auch nicht-akademisch ausgebildete Personen, wie z. B. Heil- und Naturpraktiker, Vogelliebhaber, Vereins- und Verbandsmitglieder mit Erfahrungen in der Vogelhaltung usw. Kaleta (briefliche Mitt.) fragt in diesem Zusammenhang zu Recht, ob der tierärztliche Berufsstand ein Alleinvertretungsrecht auf diesem Gebiet besitzt oder beansprucht. Sicherlich wäre eine Annäherung beider Seiten, d. h. eine Zusammenarbeit des ausgebildeten Tiermediziners mit dem kenntnis- und erfahrungsreichen Praktiker in der Vogelhaltung, zu begrüßen. Leider erlebt man auf beiden Seiten oft wechselseitige Ablehnung oder anmaßendes Verhalten gegenüber der als Konkurrenz empfundenen Gegenseite. Nichtsdestoweniger bleibt der Tierarzt die erste Anlaufstelle für die Diagnose und Therapie von Verhaltensstörungen der Papageien, der dann in bestimmten Fällen andere Fachleute und Praktiker hinzuziehen wird.
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