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Leonardos Partnersuche
Unser erstes Jahr mit Leonardo lag nun schon weit zurück und die ersten schweren Monate waren längst vergessen. Leo’s Freundschaft mit dem Wellensittich Willi zeigte sich mit immer netteren Episoden bis sich das Blatt arg wendete.
An einem Samstag im September 1998 hörte Willi‘s kleines Herz auf zu schlagen und wir begruben ihn in unserem Garten. Die Freude in unserer Familie war dahin. Wir versuchten es uns nicht anmerken zu lassen, doch fast jeder gesprochene Satz endete in Erinnerungen an Willi. Leo wurde von der nun herrschenden Stille am meisten berührt, er flog ständig von Zimmer zu Zimmer und suchte seinen kleinen Freund. Seine geliebte Hirse, die er mit Willi zusammen fraß, ließ er achtlos liegen.
Die Monate vergingen und es wurde Frühling. Die tägliche Wartezeit für Leo zog sich durch die Stille in unserer Wohnung ins Unermessliche. Wenn wir von der Arbeit nach Hause kamen, klebte er wie eine Klette an uns, aus Angst wir könnten wieder gehen. Waren noch Besorgungen zu erledigen hieß es: Beeilt euch, Leo wartet.
Diese Tage waren besonders schlimm, denn er ließ uns anschließend gar nicht mehr aus den Augen. Es zerriss mir das Herz, so geht es einfach nicht weiter. Unsere Überlegungen noch einen Vogel zu kaufen verstärkten sich.
Um unserem Kakadu das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, suchten wir ständig Kontakt zu anderen Züchtern und Papageienbesitzern. Ein Ehepaar mit Papageienzucht gefiel uns ganz besonders. Sie haben wunderschöne Tiere in einer Anlage von der wir nur träumen. Man kann viel von ihnen abschauen und bei Problemen stehen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Wir sprachen mit ihnen auch über den Verlust unseres Wellensittichs, dass unser Leo so sehr darunter leidet und wir eventuell einen zweiten Vogel für ihn kaufen würden. Wir erfuhren, dass eine Verpaarung von Kakadus nicht so einfach sei. Gerade die männlichen Tiere akzeptieren nicht jedes Weibchen und jagen sie manchmal zu Tode. Am günstigsten wäre eine Probezeit, damit man später nicht zwei Einzelvögel hat. Trotz aller Bedenken war ich dafür, denn jeden Abend schauten mich zwei traurige Augen an. Wir bemühten uns nun zusammen für Leo ein Nacktaugenkakadumädchen zu finden.
Ich las Anzeigen, surfte durchs Internet, fand auch ab und an Angebote von Kakadus, aber meist keine Nacktaugenkakadus. Sie schienen nicht sehr beliebt zu sein. Eine Anzeige fand ich dann doch: „Nacktaugenkakadus zu verkaufen...“. Nach einem Telefonat waren wieder alle Träume und Wünsche zerschlagen. Der Preis verdoppelte sich und die Dame am anderen Ende der Leitung wollte unbedingt zwei oder drei Vögel verkaufen. Selbst Geschlecht und Alter der Tiere konnte sie mir nicht nennen. Ich entschied die lange Fahrt nicht anzutreten.
Bei einer anderen Anzeige stieß ich auf eine Firma, wo man jederzeit ein Tier der gewünschten Sorte bekommen konnte. Allerdings nur Importtiere. Unser Leo ist auch ein Importvogel und seine Lebensgeschichte lässt sich nur schlecht zurückverfolgen. Noch heute hat er vor bestimmten Gegenständen und unbekannten Menschen panische Angst. Wir wollten keinen Papagei in Angst versetzen und an eine Probezeit wäre auch nicht zu denken, somit bestellten wir keinen.
Es vergingen weitere Wochen, kein Kakadu war in Aussicht. Unser Züchterehepaar bot uns an, mit unserem Leo mal zu ihnen zu kommen. Sie hatten noch zwei Jungtiere, ein Goffinkakadumännchen und ein Rosakakaduweibchen. Vielleicht würde sich Leo einen Spielgefährten aussuchen. Gesagt, getan. Wir setzten unseren Leo mit den zwei Papageienbabys zusammen in eine große Voliere. Mit dem Goffinkakadu verstand er sich überhaupt nicht. Alle beide gingen gleich in Position, um ihr Revier abzustecken. Gespreizter Schwanz, breite Flügel und aufgestellte Haube mit lautem Geschrei verbunden, so standen sie sich gegenüber. Der Züchter entfernte den vermeintlichen Feind und setzte ihn in die benachbarte Voliere. Das Geschrei wurde beendet, doch von Zeit zu Zeit wurde geschaut, ob der Rivale noch zu sehen war. Man schrie sich nur noch ab und zu durch das Gitter an und gockelten mit erhobener Haube beim Nachbarn vorbei. Röschen, das Rosakakadumädchen, wurde dagegen nicht sonderlich beachtet. Leo untersuchte die Voliere, probierte das Futter, zog ab und an an Röschens Flügel, aber fand alles nicht mehr so toll. Er wurde zusehends vom Gezwitscher anderer Vögel abgelenkt. Aufgeregt schaute er immer wieder zu der Voliere am anderen Ende des Grundstücks. Es war eine Voliere voller Wellensittichen, die seine Aufmerksamkeit weckten. Es schien als suche er dort unseren Willi. Ich entschloss mich, oder besser gesagt Leo entschied sich für einen Wellensittich. Ich suchte einen Vogel, der Willi ähnelte, aus und wir fuhren nach Hause.
Der kleine Kerl schaute ängstlich aus seiner Behausung, wenn Leo voller Freude zur Begrüßung auf seinen Käfig sprang. Wir stellten beide in ein gemeinsames Zimmer in der Hoffnung der kleine Wellensittich würde sich an Leo‘s lautes Gekreische gewöhnen. Die Hoffnung wurde jedoch bald zerschlagen. Der Wellensittich, wir tauften ihn Ritchi, wurde immer ängstlicher und begann vor Verzweiflung seine Federn kaputt zu fressen. Der Schwanz war als solches schon nicht mehr erkennbar. So geht es nicht weiter. Leo’s überschwengliche Freude schüchterte Ritchi immer mehr ein.
Ich fuhr zu unserem Züchterehepaar und klagte mein Leid. Entweder wollte ich Ritchi zurück bringen oder einen Wellensittich für ihn mitnehmen. Ersteres würde Leowieder Trauer bereiten, so suchten wir einen weiteren Wellensittich aus. Unser Züchter war begeistert über meine Entscheidung und wollte nicht mal eine Bezahlung des Vogels. In einem Nistkasten verstaut, das Schlupfloch mit einem Lappen verstopft stand Lissi auf meinem Beifahrersitz. Mit schlechtem Gewissen, ich höre gerade die Worte meines Mannes: „...noch ein Vogel kommt mir nicht ins Haus...“, trat ich die Heimreise an. Meine Kinder hatten schon den Tisch für das Abendessen gedeckt, als ich zu Hause ankam. Wir befreiten Lissi aus dem Kasten und setzten sie zu Ritchi in den Käfig. Noch ganz verdattert wurde sie sogleich aufgeregt von Ritchi empfangen. Die kleinen schwarzen Augen leuchteten sofort und sie wurde umgehend von ihm gefüttert. Ich habe noch nie einen Wellensittich bei einer solchen Gefühlsäußerung erlebt. Wir waren gerührt.
„Wir sagen einfach Papa nichts.“, sprach unsere Tochter und kurz darauf klingelte es schon an der Tür. Die Stimmung beim Abendbrot war voller Spannung. Ritchi zwitscherte unaufhörlich und unser Papa rief nur, „Ritchi nun ist gut, mach nicht solchen Krach.“ Die Kinder konnten sich das Lachen kaum verkneifen, denn er merkte nicht, dass zwei Vögel im Käfig saßen. Robert konnte nicht mehr innehalten und sprudelte alles heraus. Lissi lebte sich sehr schnell in der Obhut von Ritchi ein. Sie bezogen den Reisekäfig von Leo, der bot ihnen die dreifache Menge an Platz. Leo saß des öfteren obenauf und putzte sich gemeinsam mit seinen „Babys“.
Da Leo die große Freivoliere bei unserem Züchter so gut gefiel und wir ihn nicht ständig im Garten umhertragen wollten, begannen wir mit dem Volierenbau. Den Draht besorgte ich in einer Zoohandlung, Wetterfest, da er verzinkt ist. Zwei Nachmittage in der Voliere und Leo begann sich merkwürdig zu verhalten. Erst ließ er einen Flügel hängen, bald den nächsten. Er torkelte wir ein Betrunkener und konnte sich nach wenigen Stunden nicht mehr auf der Stange halten. Erst war es lustig; seine Rufe klangen wie Gequäke, abgehackt und ungewohnt. Ich rief den Tierarzt an, der uns trotz Wochenende gleich kommen ließ. Es schien, als sei er genauso ratlos wie wir und gab Leo erst einmal eine Aufbauspritze. Zu Hause angekommen stand vor uns eine lange Nacht, denn Leo konnte sich nicht mehr auf seiner Schlafschaukel halten. Ich versuchte ihn mit auf mein Bett zu setzen, doch er wollte auf seinen Platz. Ich stützte ihn fast die ganze Nacht bis er selbst auf die Idee kam, sich am Seil, das vor seinem Schlafplatz hing, anzulehnen. Völlig übermüdet fuhren wir am nächsten Tag zum Tierarzt. Leo sah wieder etwas besser aus und einen Flügel konnte er schon wieder halten. „Er hat es geschafft, ich habe nicht geglaubt, dass sie mit ihm wiederkommen ...“, wunderte sich der Tierarzt. Den Grund suchend telefonierte ich mit anderen Tierärzten, die sich mehr in der Vogelheilkunde auskannten und erzählte was vorgefallen war. Ich berichtete unter anderem von der neu gebauten Voliere. Der Tierarzt vom Zoopark, der sich um die Gesundheit der dort ansässigen Papageien kümmert, sagte: „Da ist doch alles klar, ihr Vogel hatte eine Zinkvergiftung. Der Zinkdraht muss verwittert sein, solange er noch glänzt und mit Wasser in Verbindung kommt, werden giftige Stoffe frei.“ Leo ging es in der Zwischenzeit wieder prächtig, allerdings blieb er der Voliere fern. Wir schrubbten den Draht mit Wasser und warteten sogar noch auf den nächsten Regen, ehe wir ihn wieder hineinsetzten. Nun konnte er täglich den Freiflug an frischer Luft genießen. Es gefiel ihm allerdings immer nur so lange, wie wir zu sehen waren. Alleine wollte er nicht bleiben, sein Wehgeschrei zog sich durch die ganze Nachbarschaft.
Wir kauften noch eine transportable Voliere für die Wellensittiche und sie zogen für die Sommerzeit ebenfalls in den Garten. Ohne Überlegung, zum Schutz vor Wind, hängten wir den Nistkasten in dem Lissi zu uns kam, mit hinein. Eines Tage kam meine Tochter aufgeregt vom Füttern nach oben. „Wir haben Eier!“ „Was für Eier?“ „Lissi hat Eier gelegt, 2 Stück.“ Ich konnte es nicht glauben. Lissi saß tatsächlich ausgebreitet im Nistkasten und drehte etwas unter sich, ich konnte aber nichts genaueres erkennen. Ritchi begann sofort mit großem Geschrei, wenn ich mich näherte. Ich traute mich nicht weiter nachzuschauen und wir ließen ihnen ihre Ruhe. Dass es nicht rechtens war wusste ich, doch unternahm noch nichts, da wir ja nicht wussten, ob überhaupt was schlüpfen würde. Lissi legte noch weitere Eier, so dass sie neben ihr zu sehen waren.
Leo indes hatte nur noch das Gezwitscher von seinen kleinen Freunden und fühlte sich doch wieder allein.
Nicht viel Zeit war vergangen, als meine Tochter abermals nach oben kam. „Es piepst, es piepst, ganz zart, komm gucken.“ Wir warteten bis Lissi den Kasten zum fressen verließ und holten ihn aus der Voliere. Als wir ihn aufmachten sahen wir zwei winzige Geschöpfe mit dem Oberkörpern auf den Eiern liegend. Wir trauten uns kaum zu atmen und sahen sie uns vorsichtig genau an. Die Kröpfe waren voll mit Futter, der Bauch von solch dünner Haut überzogen, dass die Innereien zu sehen waren. Und die Füßchen so klein, wir waren überwältigt. Wir hängten den Kasten schnell wieder hinein und beobachteten unsere junge Mutti. Nach kurzer Zeit ging sie zurück zu ihrem Gelege und wärmte die beiden Kleinen. Das Futter stellten wir von nun an auf Weichfutter und viel Grünzeug um.
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Nun hieß es was zu unternehmen. Sofern die Kleinen durchkommen, brauchen sie Ringe. Ich suchte das dafür zuständige Amt auf und beantragte eine Zuchtgenehmigung. Ich erzählte meine Geschichte und dass ich nicht vorhabe, eine große Zucht aufzubauen. Ich wollte lediglich meinen Vogelnachwuchs legalisieren. So einfach geht es nicht. Ich bekam Unterlagen über die Psittakosebestimmungen, sollte ein Zuchtnachweisbuch besorgen und es wurde mir ein Termin für eine Besichtigung der Unterbringung meiner Vögel angeboten. Ich studierte die Bestimmungen und empfing den Amtstierarzt vom Veterinäramt bei mir zu Hause. Er befand alles zu seiner Zufriedenheit und erteilte mir die Zuchtgenehmigung von Papageien. Ich war glücklich, dass wir nun in aller Ruhe das Heranwachsen unserer Vogelbabys beobachten konnten und war auch ein wenig stolz.
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Wir kontrollierten den Nistkasten nun täglich. Wir warteten bis Lissi den Kasten zum fressen verließ und nahmen ihn raus. Von acht gelegten Eiern schlüpften sechs Junge. Das dritte Jungtier fanden wir eines Tages tot im Kasten. Ich denke es wurde zerdrückt, denn die Kröpfe der Kleinen waren immer prall gefüllt.
Es war eine schöne Zeit, das rege Treiben, das Wachsen und Gedeihen und den ersten Ausflug der Vogelkinder bei unserer Wellensittichfamilie zu beobachten. Doch eines Tages begann die Vogelmutti ihre Jungen fürchterlich zu beißen. Wir waren ratlos. Nach dem Grund suchend inspizierte ich auch den Nistkasten, den die Jungen nur noch am Abend aufsuchten. Ich konnte es nicht fassen, es lagen erneut 2 Eier darin. Wir trennten nun Eltern und Kinder, damit niemand Schaden nimmt. Aus Angst unsere Lissi könnte in Legenot kommen, ließen wir ihr die Eier. Sie legte im Abstand von zwei Tagen sechs Eier. Vier Junge schlüpften, wobei wir wiederum das dritte Junge tot auffanden.
So hatten wir nach einiger Zeit nicht einen Wellensittich für Leo sondern 10 Wellensittiche, die von Leo nichts wissen wollten.
Als die Jungen vom zweiten Gelege so halbwegs flügge waren, entfernten wir den Kasten. Lissi brauchte nun wirklich mal Erholung. Die Wellensittichkinder haben wir meist an Freunde abgegeben. Nur der Kleinste vom zweiten Gelege wohnt noch bei seinen Eltern in der Voliere.
Unterdessen stieß ich im Internet auf eine Anzeige. „Verwaistes Nacktaugenkakaduweibchen, 20 Jahre alt, abzugeben. Kein kommerzieller Hintergrund, auch mit Pflegevertrag.“ Meine Freude wurde getrübt, die Anzeige war vom Juni und wir hatten mittlerweile Oktober. Die Chance war nicht groß, ich schrieb trotz alledem. Zwei Tage später eine Antwort, das Kakadumädchen war noch da. In meinem Kopf kreiste alles durcheinander, ich wusste gar nicht, was ich zuerst schreiben sollte. Fragen über Fragen ließen sich nicht mehr ordnen. Mehrere Tage fuhren Gedanken über zwei Kakadus, Ängste und Befürchtungen, Vorbereitungsstrategien und Bilder über die Datenautobahn. Ich rief unser Züchterehepaar an, um ihre Meinung einzuholen. Berichtete von diesem anderen Kakadu. Dass sie vor vier Jahren ihren Partner verloren hat und mit zwei anderen Papageien des Besitzers nicht klar kommt. Sie sehr einsam und traurig in einem Käfig sitzt. Sie hat nicht mal einen Namen. Unser Züchterehepaar bestätigte sofort meinen Wunsch, sie zu holen. Währenddessen erhielt ich die Email: „Komme am Samstag mit dem Vogel zu Ihnen, schicke Ihnen den Pflegevertrag zu.“ Ich bereitete Leo‘s Reisekäfig vor; die Zeit war zu kurz um eine geeignete Zimmervoliere zu bauen. Voller Spannung erwarteten wir den Neuankömmling, letzte Vorbereitungen wurden getroffen. Leo kam in den Käfig, was ihm nicht sonderlich gefiel, denn während unserer Anwesenheit darf er sich immer frei in der Wohnung bewegen. Dann klingelte es endlich. „Wir bringen den Vogel.“ Ein Ehepaar mit einer kleinen Kiste, die oben einen Gitterdraht hatte, betrat unsere Wohnung. Wir gingen in die Küche, wo auf dem Tisch der vorbereitete Käfig stand. „Sie wird durstig sein, nach der langen Fahrt“, sagte der Besitzer der Vogels. Vorsichtig öffnete er den Deckel und hielt ihn an die Käfigtür. Völlig verängstigt aber ohne Zögern kam das Tier aus der Kiste. Aufgeregt begann sie gleich zu fressen, ich hatte ihr ja auch den Käfig mit verlockender Hirse und Vogelmiere ausgestattet. Sie sah gesund aus, etwas mit Kot beschmiert, was nach einer Fahrt in einer kleinen Kiste völlig normal ist. Wenn wir uns näherten, zitterte sie gleich. Sie war die Menschen nicht so gewöhnt, wie unser Leo.
Jetzt sollte der spannende Augenblick kommen. Meine Tochter holte Leo aus dem Käfig und betrat vorsichtig die Küche. Kein Laut war zu hören, raschelnd richteten sich bei beiden Vögeln die Hauben auf. Dann zog Leo mit seinem gesamten Gewicht nach vorn zum Käfig. Die Augenfalten schwollen vor Erregung. Bis er es nicht mehr aushalten konnte und auf den Käfig sprang.
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Die Stille wurde von seinem Begrüßungsgeschrei zerrissen. Dann wieder absolute Stille, er drückte ein Auge zwischen die Gitterstäbe um alles genau zu sehen. Das Füßchen ebenfalls durch die Gitterstäbe gesteckt versuchte er den anderen Kakadu zu fassen. Das Kakadumädchen begann so stark zu zittern, dass der Käfig nur so klapperte. Wir klärten mit dem Besitzer noch den Vertrag und legten eine Probezeit von drei Monaten fest.
Nun waren wir mit unserer Vogelgesellschaft wieder allein. Wir stellten den Käfig auf einen Tisch neben Leo’s Behausung, so dass sie sich beobachten konnten. Das Nacktaugenkakadumädchen erhielt nach 20 Lebensjahren ihren ersten Namen: Lisa sollte sie von nun an heißen.
Lisa zeigte sich als sehr ängstlich und brav. Sie rief selten und machte ganz zarte und leise Töne, die wir von Leo nie hörten. Nachts brach sie in Panik aus. Jedes noch so kleine Geräusch ließ sie zittern und der Käfig begann klapperte. Immer wieder versuchten wir sie mit Worten zu beruhigen. Bald merkten wir, dass ihr der Sichtkontakt durch die Decke, mit der Leo am Abend abgedeckt wurde, fehlte. Wir schlugen eine Ecke nach oben, so das sie sich wieder sehen konnten und Lisa wurde zusehends ruhiger.
14 Tage später fuhren wir zum Baumarkt, um Material für eine Zimmervoliere auszusuchen. Die nächsten zwei Wochenenden gestalteten sich für die Vögel sehr aufregend. Es wurde gehämmert, gebohrt damit Stück für Stück eine Voliere entstehen konnte.
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Wenn wir am Abend nach Hause kamen und Leo seinen Käfig verlassen durfte, öffneten wir auch Lisa’s Käfigtür. Solange Leo in ihrer Umgebung blieb verhielt sie sich ruhig. Doch wenn er das Zimmer verließ, begann sie sofort zu rufen. Durch den Versuch ihm zu folgen, kam sie das erste Mal aus dem Käfig. Es blieb leider bei einem Flugversuch, denn sie flatterte nur abwärts. Sie schien über Jahre nicht mehr geflogen zu sein. Die Fortsetzung spielte sich nun am Boden ab. Leo jagte Lisa und sie versteckte sich in den Ecken. War er nicht mehr zu sehen schaute sie vorsichtig hervor und trappelte munter durchs gesamte Zimmer. Es war recht lustig anzusehen. Nach Beendigung des „Ausflugs“ hielten wir ihr den Käfig entgegen, den sie sofort aufsuchte. Sie fühlte sich wieder in Sicherheit.
Der Volierenbau, zumindest der Rohbau ohne Verkleidungen, näherte sich dem Ende. Nur noch die Sitzstangen und der erste Vogel konnte einziehen. Wir achteten darauf, dass zwischen den Sitzstangen mindestens 3 Flügelschläge Platz war, damit Lisa, die als erste die Voliere beziehen sollte, ihre Flügel trainieren konnte. Die Sitzstangen hätten wir auch nebeneinander befestigen können, denn Lisa kletterte nur zur anderen Seite.
Nach einer Woche, in der Lisa nun schon in der Voliere wohnte, beschlossen wir Leo’s Umzug. Wir setzten ihn erst einmal an einem Samstag unter Beobachtung mit hinein. Es gefiel ihm überhaupt nicht. Wir waren ja zu Hause und wieso sollte er dann eingesperrt sein? Er kümmerte sich wenig um Lisa und bettelte unaufhörlich um die Voliere wieder verlassen zu können. Lisa indessen beobachtete alles sehr aufmerksam und ging ihm vorsichtshalber aus dem Weg.
Irgendwann muss es ja sein, wir räumten Leo’s Käfig weg und er wurde am Sonntag Abend zu Lisa gesetzt. Es wurde ein hektischer Abend. Sie kletterten beide ständig hin und her, da sie die gleiche Sitzstange zum schlafen wollten. Bis endlich Ruhe einzog vergingen Stunden. Auch Nachts hörte ich ab und zu das Klappern der Krallen und Schnäbel am Gitter. Am nächsten Morgen als das Licht an ging, saß jeder in einer Ecke und sie putzten gemeinsam ihr Gefieder. Der folgende Arbeitstag kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich konnte den Feierabend kaum erwarten um zu sehen, was meine beiden Kakadus trieben. Sie begrüßten mich mit lautem Geschrei, erst Leo dann Lisa. Leo klebte sofort wieder wie eine Klette auf meiner Schulter und konnte seine Schmusereien kaum beenden. Ich fand weder Blutspritzer noch gerupfte Federn und war sehr zufrieden mit den Beiden.
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Jetzt wohnen sie drei Wochen zusammen. Leo jagt des öfteren Lisa durch die Voliere, wobei sie ihre drei Flügelschläge zwischen den Sitzstangen schon schafft. Zur Feierabendzeit, wenn wir die Wohnungstür öffnen, begrüßen uns nun zwei lautstarke Vogelfreunde. Kakadugeschrei im Doppelpack, erst Leo, dann Lisa. Es herrscht zwischen den zwei Vögeln zwar nicht die große Liebe, doch sind wir sehr zuversichtlich und wünschen uns, dass sie Freunde werden. Leo ist seit Lisa’s Ankunft ausgeglichener geworden, obwohl seine große Liebe immer noch seinen Menschen gilt. Noch anderthalb Monate Probezeit stehen uns bevor, in der Hoffnung die Zeit entscheidet für die beiden Nacktaugenkakadus.
Gabi K.
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