In diesem Beitrag wird zwar hauptsächlich über Kakadus geschreiben, man kann die Gedanken des Autors durchaus auf ALLE Papageien übertragen. Webmaster

Erlauben Sie mir, jetzt einen Themenkreis anzusprechen, der in unserer schönen, fitten, jungen und dynamischen Welt lieber verdrängt wird: Krankheit, Leiden und Tod.

Setzen Sie sich aber bitte hier und jetzt damit auseinander, denn wie der Tod zum Leben von uns Menschen gehört, so gehört er auch untrennbar zum Leben unserer Papageien.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, daß Ihr Kakadu niemals krank wird, daß ihm niemals ein Leid widerfährt. Aber dennoch lassen sich Tierarztbesuche nicht immer vermeiden, es gibt viele verschiedene Krankheiten, die unsere Papageien befallen können. Manche sind mit relativ geringem Aufwand zu heilen, manche bedürfen einer langen, aufwendigen Therapie, und manche können nur symptomatisch behandelt werden.

Es gibt aber auch Krankheiten, deren Diagnose praktisch das Todesurteil bedeutet, und diese Krankheiten sind gar nicht einmal so selten. Unter Umständen müssen Sie dann entscheiden, ob Ihr Kakadu weiterleben darf/muß (und genau dies macht den Unterschied), oder ob er von seinem Leiden erlöst wird.
Es können plötzlich Organfunktionen ausfallen oder stark beeinträchtigt sein, so daß der Tierarzt Sie auch hier vor die schmerzliche Entscheidung stellen muß.
Es kann z.B. durch Unfälle zu so schweren Verletzungen kommen, daß das Weiterleben nach menschlichem Ermessen nur noch eine einzige Qual wäre. Auch hier müssen Sie die Entscheidung treffen.

Aber es ist nicht nur diese Entscheidung, die Sie vielleicht einmal zu treffen haben. Was an Krankheit und Leid auf Sie zukommen kann, kann keine Theorie und kein gutgemeinter Rat am grünen Tisch fassen. Lassen Sie mich Ihnen einfach drei Geschichten erzählen, die tatsächlich passiert sind, zwei von Kakadus und eine von einem Graupapageien:

Ein fünfjähriger Kakadu wird aus einer kleinen Box in einem Gartencenter losgekauft. In der Box im Gartencenter hat er fast drei Jahre allein gesessen, und er hatte mindestens zwei Vorbesitzer, wobei ihm einer höchstwahrscheinlich die Sehnen einer Schwinge durchtrennen ließ, um ihn flugunfähig zu machen. Ein armer Krüppel, der seinen Lebtag lang nur herumgeschubst wurde.
Nach einer bißreichen Eingewöhnung befindet er seine neuen Menschen dann doch für ganz nett und entscheidet sich, bei ihnen zu bleiben. In den nächsten Monaten blüht er sichtbar auf und wird seinen Menschen ein geliebter Hausgenosse.
Dann beschließen seine Menschen, ihm einen Partner zu besorgen. Beide Kakadus verstehen sich vom ersten Augenblick an ausgezeichnet, und es ist alles eitel Sonnenschein.
Ein halbes Jahr später hat er Körner im Kot, der Tierarzt diagnostiziert eine unheilbare, ansteckende Viruserkrankung der Verdauungsorgane, und noch mal acht Wochen später verstirbt er völlig geschwächt.
Ein armes Schwein, von einer heimtückischen Krankheit hingemäht, gerade als sein Schicksal endlich geruhte, es mal halbwegs gut mit ihm zu meinen. Die Trauer der Menschen ist mit Worten nicht zu beschreiben - sie hatten ja nur das Beste gewollt.
Das ist aber noch nicht das Ende des Leidens: Die Virusinfektion wurde durch den Partner eingeschleppt...

In einer Nacht- und Nebelaktion kaufen Papageienfreunde einen völlig gerupften, neurotischen Goffini, der eingeschläfert werden sollte. Der hyperaktive Goffin macht einen überaus intelligenten Eindruck, will andauernd Zuspruch und Beschäftigung und lernt sehr schnell. Er ist zutraulich und genießt es offensichtlich, wenn ihn Menschen auf die Hand nehmen und ihm das verbliebene Gefieder am Kopf kraulen.
Bis auf eines: sobald er gestreichelt oder gekrault wird, reißt er sich selbst jede erreichbare nachwachsende Feder aus. Er beißt wie verrückt an sich herum, schreit aber, sobald man aufhört, ihn zu kraulen. Das gilt auch für andere Kakadus: Er hält ihnen den Kopf zum Kraulen hin, und sobald der andere Vogel dieser Aufforderung nachkommt, reißt er sich selbst und dem anderen jede erreichbare Feder aus, als wäre er nicht Herr seiner selbst.
Ein kluger und liebenswürdiger Kakadu, der Ansprache durch andere Lebewesen fast dringender als Wasser und Futter braucht, damit aber nicht klarkommt. Ein hyperaktiver Hektiker, den aber jeder sofort besonders ins Herz schließen muß.
Der Goffin ist im Frühsommer 2001 an Herzversagen gestorben, sein Leidensweg ist beendet.

Ein Graupapagei kommt aus allerschlimmsten Haltungsbedingungen als aspergillosekranker Rupfer zu einem Halter, der alles für diesen Papageien tut.
Das heißt: Inhalation, Tierarztbesuche und zudem noch die Therapie gegen das Rupfen, das laut Tierarzt psychische Ursachen hat: den Vogel mit anderen vergesellschaften, sich selbst und seine Ängste zurücknehmen, damit der Vogel merkt, daß er durch das Rupfen keine zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt. Mit unglaublicher Energie schafft es der Halter schließlich: die Federn wachsen wieder nach, und auch an die Aspergillose-Therapie hat sich der Papagei auch gewöhnt. Das Ganze hat über ein Jahr gedauert und hat Mensch und Tier ganz besonders eng zusammengeschweißt.
Der Graupapagei ist Anfang 2001 an einem Ausbruch von PDD verstorben, zusammen mit zwei anderen Papageien des Halters.
Nachtrag März 2002: Es sind Anfang 2002 noch zwei weitere Papageien des Schwarms an PDD verstorben.

In einer solchen Lage gibt es keinen Trost und keinen Rat, es fällt nur eine ganze Welt in Scherben. Seien Sie sich auch dessen bewußt, bevor Sie sich auf einen Kakadu einlassen. Kakadus können das Licht in Ihrem Leben sein, aber wenn so ein Licht erlischt, wird es auch in Ihrem Herzen für lange Zeit sehr dunkel werden. Ein Kakadu kann nicht einfach durch einen neuen ersetzt werden, jeder verstorbene Kakadu hinterläßt eine unermeßliche Lücke, die nicht gefüllt werden kann.

Lassen Sie sich auch nicht davon blenden, daß Kakadus sehr alt werden können. Gegen Krankheiten, Leid und auch Tod ist niemand gefeit; es kann Ihren Kakadu wie aus heiterem Himmel jederzeit treffen. Verdrängen Sie dies nie aus Ihrem Bewußtsein, und genießen Sie jede Minute, die Ihnen diese wunderbaren Tiere schenken.

Ein Gedanke noch zum Schluß dieses traurigen Kapitels: ich habe Ihnen gerade drei wahre Geschichten erzählt. Es gibt sehr viele Papageien, die aus schlimmsten Zuständen beschlagnahmt werden, die eingeschläfert werden sollen, oder die aus allen möglichen Gründen von ihrem Besitzer nicht mehr gewollt werden. Diese Tiere sind manchmal schwerkrank oder schlimm verhaltensgestört, meistens vom Menschen ruiniert. Die Menschen lassen ihnen nicht einmal die „Gnade" des Einschläferns zuteil werden. Und sogar dies wäre für einige noch eine Gnade: es gibt Papageien, die bis zu ihrem Ende in einem Käfig 60x60x80 in einem dunklen, feuchten Kellerloch ohne zureichende Ernährung vor der Welt versteckt werden.

Ich habe im Sommer 2001 eine Aradame aus solchen Verhältnissen gesehen. Sie hat Futter und Wasser einfach verweigert. Laut Tierarzt war sie körperlich völlig gesund. Der neue Besitzer hat noch einige Zeit versucht, sie mit künstlicher Ernährung am Leben zu erhalten und sie auch psychisch wieder aufzupäppeln: Zuspruch vom Menschen und eine Voliere mit Artgenossen. Nichts hat geholfen, sie ist gestorben. Es gibt für mich nur eine Erklärung dafür: Der Lebenswille war weg, die Verweigerung von Futter und Wasser war bewußt: Der Vogel hat seinem Leben selbst ein Ende gesetzt.

Bevor Sie teures Geld beim Züchter oder im Zoogeschäft lassen, erkundigen Sie sich nach einem "Abgabetier". Die Tierarztkosten liegen oft weit unter dem „Neupreis", und Sie bewahren vielleicht einen Papagei vor Leiden und Tod. Wenn es ein abgewrackter, einbeiniger, halbblinder mit frisch gebrochenem Flügel ist: Na und?
Oder sehen Sie einmal einem Rupfer ganz tief in die Augen: Sie werden merken, daß auch Rupfer wunderschöne Tiere sind. Gelegentlich lassen sich Rupfer schon durch einen Ortswechsel oder durch andere Artgenossen kurieren. Ich will Ihnen aber auch nicht verheimlichen, daß es meistens Jahre mit großer Anstrengung dauert, bis ein Rupfer sein Verhalten ändert, und manchmal scheinen alle Versuche gänzlich erfolglos zu sein.

Etwas anders sieht es bei psychisch schwerstgestörten Kakadus aus, hier sollten sich wirklich nur sehr erfahrene Halter mit viel Zeit und Geduld engagieren. Wenn Sie nicht mit Kakadus erfahren sind, nehmen Sie lieber keinen Beißer bei sich auf. In diesen schweren Fällen sind auch Erfahrungen mit anderen Papageien kaum übertragbar.

Denken Sie bitte darüber nach, einen körperlich „abgewrackten" Kakadu bei sich aufzunehmen. Sprechen Sie einen Tierarzt darauf an, lassen Sie sich in eine Notfalliste eintragen, hören Sie sich um. Oft genug wollen sich auch Züchter ihrer Tiere entledigen, nachdem sie diese als Brutmaschinen mißbraucht und völlig ausgepumpt haben. Fragen Sie einen Händler nach „Fehlertieren". Wir Menschen haben die Gelegenheit, etwas von dem wieder gutzumachen, was wir den Tieren angetan haben.

Anmut, Würde und Pracht eines Kakadus liegen nicht im schönen Gefieder, den unversehrten Gliedmaßen, im Sprechen oder in der Haltung des Tieres. Sie liegen allein in seiner Seele.

Quelle: www.radikal-kakadu.de.vu/