Dass Papageien "KEIN GESTERN" kennen, stimmt in dieser Absolutheit NICHT. Richtig ist aber, dass die sog. "Großpapageien" (nicht nur die Grauen) überein sog. "situativ-zyklisches" Gedächtnis verfügen. Davis hat dazu was geschrieben:

Wiederholt erfahrene Situationen "prägen" sich ein. Ebenso "Reaktionsformen" auf wiederholt erlebte Situationen. Wäre dem nicht so, wäre jede Art von "Konditionierung" (conditioning by reinforcement) schlicht unmöglich.

Davis spricht von "gespeicherten Zyklen". Ist ja auch einleuchtend. Schon die ganz frühe Verhaltensontogenese erfordert komplexe "Gedächtnisleistungen" (Stichwort: "Erlerntes Verhalten"). Jede Lernleistung ist per se an eine Gedächtnisleistung gebunden.
Anders verhält es sich bei "niedrigen" Lebewesen, wo diese Vorgänge "nur" genetisch determiniert sind (Stichwort: Gedächtnis der Zelle, Instinktleistungen, mechanistisches "Funktionieren").

Ein Tier, das zum "Lernen" fähig und auf "Lernleistungen" angewiesen ist, verfügt immer auch über ein sog. "offenes Programm" (diese Definition stammt von Niko Tinbergen - K. Lorenz hat sie übernommen), d.h. Hirnbereiche, die
dazu disponiert sind, bis zu einem bestimmten Umfang "Inhalte" abzuspeichern und in dazu passenden Situationen auch "abzurufen" (Stichwort: "Situationsbezogene Reaktionsnorm").

Laut Davis (und das wird jede/r Papageienhalter/in) aus eigener Erfahrung bestätigen können), verfügen Großpapageien über ein hervorragendes "Langzeitgedächtnis". Markante "Erlebnisse" (NEGATIVE wie POSITIVE) beeinflussen nachhaltig den "Lebensweg" des jeweiligen Vogels, auch wenn sie Jahre zurückliegen.

Auch hierzu bedarf es eigentlich kaum einer weiteren Beweisführung:
Erfahrene Haltungsbedingungen haben IMMER einen Effekt auf das VERHALTEN.

Sicher: Ein Papagei wird nicht wissen (nicht erinnern), dass es GESTERN Walnüsse gab, aber er wird JEDERZEIT erinnern, dass es schon mal Walnüsse gab und dass diese wohlschmeckend waren und wird die Walnuss als solche erkennen (und "haben" wollen). (Frage des Webmasters: ist diese These bewiesen? Wenn ja, WIE??)

Lang anhaltende "Ereignisse" (Lernabschnitte / Lernzyklen) werden IMMER mit einem Auslöser assoziiert (erinnert). Die Dauer (oder Intensität) der "Einwirkung" von "Lerninhalten" hat einen entscheidenden Einfluss auf die "Nachhaltigkeit" des "Erinnerns"
.
Volker Munkes