Für den Nicht-Fachmann sorgen die Begriffe Protein, Rohprotein und Eiweiß gelegentlich für Verwirrung. Wenn man jedoch die Zusammenhänge kennt, lassen sich diese Probleme schnell lösen. So ist Protein lediglich die wissenschaftliche Bezeichnung für Eiweiß.

Protein ist für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur und Organe zuständig. Es wird im Organismus verbraucht und muss daher ständig von außen zugeführt werden, da es nicht wie Fett oder Kohlehydrate ersetzt werden kann. Der Proteinbedarf ist während der Wachstumsphase also besonders hoch, ebenso bei großer körperliche Anstrengung. Der Anteil des Proteins am Körpergewicht eines Vogels beträgt ca. 20%.
 
Protein besteht aus ca. 20 verschiedenen Bausteinen: den stickstoffhaltigen Aminosäuren. 11 von diesen (Bezzel und Prinzinger, 1990) sind essenziell (unbedingt notwendig) und können vom Vogel nicht eigenständig erzeugt werden. Sie müssen also mit dem Futter zugeführt werden. Die nicht-essenziellen Aminosäuren können vom Organismus aus anderen Stickstoffquellen gebildet werden. Dies bedeutet aber nicht, dass sie dem Organismus nicht zugeführt werden müssen, sondern lediglich, dass ein kurzzeitiger Mangel ausgeglichen werden kann.
 
Tierische Eiweiße  sind nach Aussagen einiger Autoren zu Zeiten eines höheren Eiweißbedarfs (Brut usw.) besser geeignet als Eiweiße pflanzlichen Ursprungs. Ein Zuviel des Guten kann allerdings auch negative Auswirkungen haben. So sollen z.B. Wellensittiche bei zu reichlicher tierischer Kost aggressiv gegenüber ihrer Brut werden. (Aeckerlein, 1986)


Während der Jungenaufzucht sollte besonders
hochwertiges Futter gereicht werden

Wissenschaftler (Wolf und Kamphues, 1995) gehen davon aus, dass der Proteinbedarf des Erhaltungsstoffwechsels (also der tägliche Bedarf ohne Brutgeschäft, Stress, Krankheit usw.) bereits mit dem Angebot einer üblichen Sämereienmischung gedeckt und daher keine Fütterung von tierischem Eiweiß nötig sei. Auf jeden Fall muss hierbei die Haltungsart berücksichtigt werden. Papageien in kleinen Käfigen kommen mit einem niedrigerem Gehalt an Protein aus als Tiere, die sich in großen Freiflugvolieren aufhalten und viel fliegen dürfen. Allerdings sind noch etliche weitergehende Untersuchungen notwendig, um genauere Erkenntnisse und somit klare Empfehlungen für die Ernährung der Papageien geben zu können.

Durch eine besonders abwechslungsreiche Fütterung sollte die Versorgung mit Proteinen zu jeder Zeit gewährleistet sein. Ob die Papageien allerdings wirklich das Futter entsprechend auswählen, um ihren Bedarf an den verschiedenen Aminosäuren zu decken, ist noch nicht geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Hühner ihr Futter entsprechend auswählen, wenn man ihnen die Möglichkeit bietet.
 
Unbedenklich sind ein bis zwei Teelöffel Naturjoghurt wöchentlich mit lebenden Kulturen oder ein abgenagter Hühnchenschenkel mit etwas Fleisch - ohne Gewürz.
Hartgekochte Eier, Quark, Frischkäse, Joghurt, Trocken- und Lebendinsekten, Babybrei (z.B. Milupa ab 6. Monat Bircher Müsli, mit Wasser zubereiten), Kotelettknochen ungewürzt.

Quelle:
Die Ernährung der Papageien und Sittiche
Hans-Jürgen Künne
ISBN: 3-9805291-5-0            2000
Arndt Verlag