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Anatomie und Verdauungssystem
Auf die Anatomie und den Aufbau der Organe der Papageien soll an dieser Stelle nur soweit eingegangen werden, wie sie für die Ernährung von Bedeutung ist. Hierzu gehören Schnabel, Zunge, Schnabelhöhle, Speiseröhre, Kropf, Magen und der Darm. Beim Betrachten dieser Körperteile können große Unterschiede zwischen den Vertretern der verschiedenen Familien der Papageien festgestellt werden. So unterscheiden sich die Lori-Schnäbel schon auf den ersten Blick von denen der Kakadus oder Aras. Diese Unterschiede deuten auf unterschiedliche Arten des Nahrungserwerbs hin, da sich die Schnäbel im Laufe der Evolution wie alle anderen Körperteile an die Lebenssituation der Tiere angepasst haben. Das bedeutet, dass Papageien, die sich auf den Verzehr von Samen in harten Schalen spezialisiert haben, auch kräftige Schnäbel benötigen, um an die Samen zu gelangen. Die Pollen und Nektar fressenden Papageien benötigen dagegen keine kräftigen Schnäbel, da die Pflanzen den Nektar und die Pollen freizügig anbieten, damit ihre Befruchtung gewährleistet wird. Der Schnabel und die Zunge dieser Papageien müssen so aufgebaut sein, dass sie den Nektar und die Pollen aufnehmen können. Hierzu reichen schmale, zierliche Schnäbel aus.
Der Schnabel hat also die Aufgabe, das Futter aufzugreifen und zum Abschlucken vorzubereiten. Dabei haben es sich alle Papageien zu Eigen gemacht, Sämereien zu schälen und die kleineren im ganzen Stück zu verschlucken, die größeren Samen zu zerreißen und mit der Zunge zum Schlund zu führen, wo sie dann hinuntergeschluckt werden. Viele Papageien wie zum Beispiel die Graupapageien und Amazonen können Samenkörner auf einmal aufnehmen und in dem Hohlraum zwischen Zunge und Unterschnabel einlagern, um sie dann Stück für Stück nach vorne zu schieben und zu schälen. Um die Samen besser halten zu können, ist der Schnabel mit so genannten Feilkerben und dem Quervorsprung versehen. Auch Früchte werden, soweit eine Schale vorhanden ist, fast immer nur geschält verschluckt. Dabei werden sie meistens mit einem Fuß gehalten und dann kleine Stücke mit dem Schnabel abgebissen. Von diesen wird dann die Schale mit Hilfe von Schnabel und Zunge entfernt.
Bei all diesen Arbeiten erweist es sich als großer Vorteil, dass bei den Papageien sowohl der Unterschnabel auch der Oberschnabel beweglich gelagert ist. Erst dadurch wird der Schnabel zu einem universell einsetzbaren Werkzeug, mit dem nicht nur Nahrung aufgenommen, sondern auch noch die notwendige Gefiederpflege durchgeführt werden kann. Zudem eignet sich der Schnabel auch noch als Kletterhilfe (drittes Bein), zur Feindabwehr und zum Herrichten der Nisthöhle.
Eine völlig andere Art der Nahrungsaufnahme wird von dem Borstenkopf(Psittrichas Mgidus) praktiziert: er verschlingt ganze Fruchtstücke, die vorher nur geschält oder zerkleinert werden, wenn sie zu groß zum Abschlucken sind. Samen und Nüsse werden von ihm dagegen verschmäht. Der Schnabel, die Zunge und der Gaumen sind diese Ernährungsweise optimal angepasst.
Für die Wasseraufnahme mit dem Schnabel haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Methoden herausgebildet. So schöpfen zum Beispiel Kakadus das Wasser mit dem Unterschnabel auf und lassen es durch Anheben des Kopfes in den Schlund laufen. Die Loris dagegen können das Wasser mit der papillenbesetzten Zunge aufnehmen. Die Vertreter der "Echten Papageien" (Psittacinae) schöpfen das Wasser mit der Zunge, wobei sie Ober- und Unterschnabel ins Wasser halten. Lediglich die Loriculus- Arten und der Borstenkopfpapagei sind in der Lage, durch eine entsprechende Bewegung der Zunge und des Oberschnabels Wasser in die Mundhöhle zu pumpen.
Wie schon erwähnt, befinden sich an der Zunge und in der Mundhöhle Speicheldrüsen, die allerdings nur Schleim und keine Verdauungsenzyme produzieren. Die damit befeuchteten Nahrungsbestandteile können besser geschluckt werden. Die Nahrung wird vom Schlund über die Speiseröhre in einen erweiterten sackförmigen Teil der vorderen Speiseröhrenwand, den Kropf, weitergeleitet. Die Nahrung wird im Kropf eingeweicht, es werden jedoch keine Verdauungsenzyme hinzugegeben. Lediglich die mit der Nahrung aufgenommenen Fermente der Pflanzen und einige Bakterien können schon für eine leichte Verdauung im Kropf sorgen. Ein derartiger Kropf bietet den Papageien große Vorteile, da sie größere Nahrungsmengen innerhalb kurzer Zeit aufnehmen können, ohne ihr eigentliches Verdauungssystem zu überlasten. Die Nahrung wird als im Kropf gespeichert und praktisch für die Verdauung vorbereitet und steht dann, wenn der Magen sich genügend geleert hat, über einen längren Zeitraum zur Verfügung. Das Futter wird also in kleinen Portionen in den Magen weitergeleitet. Aus diesem Grunde können es sich viele Papageien bei einem ausreichenden Futterangebot leisten, lediglich zweimal täglich, vormittags und nachmittags, auf Nahrungssuche zu gehen.
Der Kropf der Papageien wird aber nicht nur zu Deckung des eigenen Nahrungsbedarfs genutzt, sondern die hier gespeicherte Nahrung kann durch eine entsprechende Antiperistaltik wieder hochgewürgt und zur Fütterung des Partners oder der Jungen genutzt werden.
Vom Kropf wird das Futter bei Bedarf in den Magen weitergeleitet, der bei den Papageien aus zwei Teilen besteht. Zuerst gelangt das Futter in den Drüsenmagen, der mit einer spindelförmigen, nur schwach ausgebildeten Muskulatur versehen ist. Die Aufgabe des Drüsenmagens besteht darin, der aufgenommenen Nahrung Verdauungssäfte (Salzsäure in sehr schwacher Konzentration und Pepsin) hinzuzufügen und somit die Verdauung in Gang zu setzen. Zur weiteren Aufbereitung wird dieser Nahrungsbrei dann in den Muskelmagen weitergeleitet. Die Übergangszone zum Muskelmagen ist bei blütenbesuchenden und Frucht fressenden Papageien besonders dehnbar und ermöglicht die Speicherung größerer Futtermengen. Da die Nahrung dieser Papageien überwiegend aus weichen Bestandteilen besteht, ist die Muskulatur des Muskelmagens nur wenig ausgeprägt. Allein dieser Umstand verbietet es schon, die Ernährung dieser Papageien auf Körnerfutter umzustellen, wie es leider bei der Lorihaltung immer wieder vorgekommen ist.
Die sich überwiegend von Samen ernährenden Papageien besitzen dagegen einen verhältnismäßig großen Muskelmagen, der, wie der Name schon sagt, unter Zuhilfenahme der Muskulatur durch rhythmische Kontraktionen die Nahrung mechanisch zerkleinert. Die festen Nahrungsbestandteile werden durch das Gegeneinanderreiben der Muskeln praktisch zerrieben. Unterstützt wird der Vorgang durch die so genannten Magensteinchen. Dabei handelt es sich um kleine Kieselsteine von wenigen mm Durchmesser, die von den Vögeln gefressen werden und sich im Muskelmagen ansammeln. Darum ist gerade bei Samen fressenden Papageien darauf zu achten, dass ihnen ständig kleine Steinchen zur Verfügung stehen.
Der Darm der Papageien ist in zwei Bereiche eingeteilt, den Dünndarm und den Dickdarm. Im Dünndarm findet der größte Teil der Verdauung und der Resorption statt. Der erste Abschnitt des Dünndarms wird von dem Zwölffingerdarm (Duodenum) gebildet. In diesen münden die Gänge der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und der Leber (Galle). Aus diesen Gängen werden Verdauungssäfte in den Dünndarm abgegeben. Auf den Zwölffingerdarm folgt der Leerdarm (Jejunum), und den Abschluss bildet der Hüftdarm (lleum). Die Länge und Beschaffenheit des Dünndarms ist auch bei den Papageien der natürlichen Nahrung entsprechend ausgebildet. So besitzen die Samen und Nuss fressenden Papageien in der Regel einen längeren Dünndarm, da diese Nahrungsbestandteile nicht so schnell verdaut werden können wie zum Beispiel Fruchtfleisch oder Pollen und Nektar. Der Dünndarm verläuft schlingenförmig durch die Leibeshöhle. Auf den Dünndarm folgt der Dickdarm, in dem die nicht resorbierten Bestandteile der Nahrung eingedickt und dann zur Kloake weitergeleitet werden, wo sie als Kot ausgeschieden werden. Im Verhältnis zum Dünndarm ist der Dickdarm recht kurz und geradlinig. Die Nahrung wird durch entsprechende Kontraktionen der Muskulatur des Darmes praktisch durch den gesamten Darmbereich geschoben. (Übrigens besitzen Papageien keine Blinddärme.)
Die Leber ist beim Vogel im Vergleich zu den Säugetieren recht groß und über die Gallengänge mit dem Dünndarm verbunden. Sie ist extrem stark durchblutet und ein guter Wärmelieferant. Zur Aufgabe der Leber gehört es, das Blut zu entgiften, Glykogen, Proteine und Fette zu synthetisieren und zu speichern. In der Leber wird ebenfalls noch die Galle produziert und Harnsäure gebildet. Die Galle wird beim Papagei gleich in den Dünndarm geleitet, ohne in einer Gallenblase zwischengespeichert zu werden.
Für die Gesundheit eines Papageis ist es unerlässlich, dass die Leber nicht geschädigt wird.
Dieses kann aber sehr schnell durch Gifte (zu denen auch Medikamente wie zum Beispiel Pilzmittel zu zählen sind), durch Krankheitserreger, aber auch durch falsche Ernährung geschehen, da die Leber als Stoffwechsel-Hauptdrüse und Entgiftungsorgan an wesentlichen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt ist. Für die Funktion der Leber ist ein ausgeglichener Aminosäurehaushalt von großer Bedeutung, allerdings kann eine zu hohe Verabreichung an eiweißhaltigen Futtermitteln die Funktion negativ beeinträchtigen. Auch während der Jungenaufzucht sollte daher auf eine ausgeglichene Fütterung geachtet werden, da besonders Jungvögel im Nestlingsstadium zu einer Leberdegeneration neigen können, wenn der Eiweißgehalt der Nahrung zu hoch war. Dies trifft besonders auf "zu groß geratene" Jungtiere zu, da ihr starker Wuchs vermutlich auf eine hohe Eiweißversorgung zurückzuführen ist. Vorsicht ist also bei einer Verfütterung von Hühnerei geboten, obwohl deren Zusammensetzung dem Eiweißbedarf von jungen Papageien sehr entgegenkommt.
Ein Zeichen für eine geschädigte Leber können Farbveränderungen des Gefieders sein. So tauchen zum Beispiel gelegentlich in den blauen Gefiederpartien der Gelbbrustaras (Ara ararauna) gelbe Federn auf. Ähnliches gilt für Amazonen, die ebenfalls gelbgescheckte Bereiche in dem ansonsten grünen Gefieder aufweisen
Auch die abweichende Rotfärbung der Graupapageien dürfte in den meisten Fällen durch eine nicht korrekt arbeitende Leber verursacht werden. Diskutiert wird zur Zeit aber auch, ob nicht ein Mangel an Lysin für die Rotfärbung verantwortlich sein könnte. Ähnlich dürfte auch die Rotfärbung von Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) zu erklären sein, die von verschiedenen Züchtern beschrieben wurde da alle Autoren eine mangelhafte Ernährung für die Umfärbung verantwortlich machen. In der Vergangenheit ist es häufig vorgekommen, dass Papageien mit derartigen Gefiederveränderungen als Raritäten für sehr viel Geld angeboten wurden. Die Käufer erhielten aber nun einen kranken Vogel, dessen Gefieder nach eine Genesung, die häufig schon durch das Anbieten eines ausgewogenen Futters erzielt werden konnte, wieder die natürlichen Farben annahm. Leider sind häufig Leberverfettungen bei Papageien zu beobachten, die entweder falsch ernährt und/oder in zu kleinen Käfigen gehalten wurden und sich somit nicht ausreichend bewegen können. Zur Leberverfettung neigen ganz besonders die Rosakakadus (Eolophus roseicapillus) sowie alle Amazonen, aber auch die Wellensittiche.
Für die Gesundheit dieser Papageien ist besser, ihnen keine fetthaltigen Sämereien, zum Beispiel keine Sonnenblumenkerne, anzubieten, wenn sie nicht in großen Flugvolieren gehalten werden.
Die Harnorgane der Vögel unterscheiden sich wesentlich von denen der Säuger. So werden vom Vogel die stickstoffhaltigen Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels in Form von Harnsäure ausgeschieden. Die Harnsäure wird in der Leber und der Niere gebildet. Treten Erkrankungen der Niere auf, kann es schnell zu einer Anreicherung von Harnsäure im Blut und zu Ablagerungen in den Organen und besonders auch in den Gelenken (Gicht!) kommen. Negative Auswirkungen haben in dem Zusammenhang eine zu hohe Eiweiß- ,und Fettversorgung, aber auch Vitamin-A-Mangel und ganz besonders eine zu salzhaltige Ernährung. Auch bestimmte Medikamente können die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Eine Schädigung der Nieren kann starken Juckreiz zur Folge haben, was sich beim Papagei möglicherweise durch das Rupfen und/oder Zerbeißen von Federn bemerkbar macht.
Sinnesorgane
Funktion der Vogellunge
Quelle:
Die Ernährung der Papageien und Sittiche Hans-Jürgen Künne ISBN: 3-9805291-5-0 2000 Arndt Verlag
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