zwei Loras
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Oft scheint es so, als seien die Probleme, die mit der Haltung von Papageien verbunden sind, größer als der vom Standpunkt des Tier- und Artenschutzes vertretbare Gewinn für den Menschen: immense Importzahlen mit hohen Mortalitätsraten, Probleme mit hand-
aufgezogenen Vögeln, falschverstandene Tierliebe und fehlerhafte Haltungsbedingungen, die zu diversen psychischen Erkrankungen bei einer Vielzahl gehaltener Papageien führen können - das ist der Preis für den Wunsch des Liebhabers nach einem zahmen und möglichst "sprechenden" Papageien. Den völlig an den Hausstand angepassten "Stubenpapagei" scheint es selbst unter den als domestiziert geltenden Wellen- und Nymphensittichen kaum zu geben. Zumindest zeigen auch sie Adaptationsschwierigkeiten an unzureichende Haltungsbedingungen und reagieren darauf mit Verhaltensauffälligkeiten. Das gilt umso mehr für die hochsensiblen, störungsanfälligen importierten Großpapageien aus den Ursprungsländern in allen Teilen der Weit.

So verwundert es nicht, dass hier und dort zeitweise auch Forderungen nach einem vollständigen lmportverbot für wildgefangene Papageien oder nach uneingeschränkt natürlichen Haltungsbedingungen laut werden, die letztlich aber nur eine kleine Anzahl von privaten Liebhabern oder wenige spezialisierte Zoologische Gärten oder Vogelparks realisieren können. Damit wird in der Praxis gleichzeitig die Heimtierhaltung von Papageien generell in Frage gestellt, was natürlich in dieser Form auf keinen gesellschaftlichen Konsens stößt und auch durch die entsprechenden gesetzlichen Regelungen nicht gedeckt ist (Schrooten 1992, Kummerfeld 1995). Lange Zeit war die Papageienhaltung, zumindest in Deutschland und anderen europäischen Ländern ohne Einschränkung möglich. Heute bestehen zumindest Nachweis- und Meldepflichten für Tiere bedrohter Arten (Lantermann und Schuster 1990). Mit dem Sachverständigengutachten "Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien" (Brücher et al. 1995) liegen darüber hinaus grobe Orientierungsrichtlinien vor, die zwar keine Gesetzeskraft haben, aber in gutachterlichen Stellungnahmen als verbindliche Maßstäbe herangezogen werden können. Darin sind z. B. die Empfehlung der Volierenhaltung und das grundsätzliche Verbot der Einzelhaltung von Papageien enthalten.

Trotz aller Bedenken und Kritik von seitens der Tier- und Artenschützer wird es aber weiterhin Menschen geben, die aus ganz unterschiedlichen Motiven Papageien halten wollen. Diesen Wunsch gilt es zu respektieren; denn Tierhaltung gehört zweifellos zum kulturellen Erbe des Menschen. Diese Prämisse darf jedoch nicht dazu verleiten, die Maßstäbe der Tierhaltung über die Jahrzehnte hinweg unverändert an traditionellen Formen und Motiven zu orientieren, wenn neuere Forschungsergebnisse die Reform überkommener Haltungsformen nahe legen. Demzufolge sollten die Haltungsbedingungen für Papageien und andere "Ziervögel" dem jeweils aktuellen Kenntnisstand im Hinblick auf die Ethologie, Physiologie, Hygiene, Ernährung, Haltungstechnik und medizinische Betreuung entsprechen (Agena 1986). "Sie dürfen auf keinen Fall unter dem Vorwand `Tradition` von der Entwicklung abgeschnitten werden" (Kummerfeld 1995). Wie steht es angesichts solcher Forderungen mit der vielzitierten "alten, einsamen Dame", deren einziger Lebensinhalt der (verhaltensgestörte) Graupapagei im Standardkäfig ist? Wer wollte sich zum allwissenden Fachmann aufspielen und dieser alten Frau mit mahnendem Finger die Vogelhaltung vermissen und statt des einen "Lebensgefährten" die (in diesem Fall kaum realisierbare) paarweise Graupapageienhaltung in einer Grossvoliere fordern? Sicherlich niemand! Kritik verdienen dagegen diejenigen Vogelhalter, die solche Beispiele konstruieren, um dem "Prinzip Einzelhaltung" nach wie vor Berechtigung zu verschaffen und darüber hinaus vielleicht ihre eigenen unzulänglichen Wohnungshaltungen von Papageien zu rechtfertigen.

Der Papageienhandel unterliegt seit wenigen Jahren einem deutlichen Wandel. Die lmportzahlen von wildgefangenen Tieren sind weltweit zurückgegangen. Statt dessen überfluten Nachzuchten, viele davon handaufgezogene Jungvögel, den Markt. Das Problem der Verhaltensauffälligkeiten wird damit nicht kleiner, weil besonders die durch Handaufzucht eingetretenen Sozialisationsstörungen der Vögel nach heutigem Kenntnisstand vielfach irreversibel sind. Allerdings muss in diesem Bereich noch viel Forschungsarbeit geleistet werden, um die Methoden der Handaufzucht und die damit verbundenen Verhaltensprobleme der Papageien genauer zu beleuchten. Das gleiche gilt für die exaktere Beschrei-
bung der Erscheinungen und Ursachen von psychischen Störungen bei Papageien im allgemeinen. Vielleicht werden nachfolgende Bearbeiter dieses Themenkomplexes auf genauere Forschungsergebnisse zurückgreifen können und auch treffendere Definitionen für die Verhaltensauffälligkeiten von Papageien finden, als dies in dieser Darstellung mögich war (Kaleta 1995). Deutlich ist jedoch bereits jetzt, dass die bestehende Situation zu einem unübersehbaren Tierschutzproblem geführt hat und - mit Blick auf die Vielzahl der Handaufzuchten, die derzeit noch gar nicht die Geschlechtsreife erlangt haben - auch weiter führen wird. Zoologische Gärten, Vogelparks und die "Papageienhäuser", die z.Zt. vielerorts entstehen, sind voll von Papageien, die nach kürzerer oder längerer Zeit (insbesondere nach Eintritt der Geschlechtsreife) von ihren Besitzern weitergegeben wurden, weil sie den in sie gesetzten Erwartungen letztlich nicht entsprechen konnten; denn sie alle zeigen die unterschiedlichsten unerwünschten Verhaltensauffälligkeiten, die anfangs oft nur ansatzweise, später mit ganzer Ausprägung zutage getreten sind und schließlich zur Abgabe eines solchen Tieres geführt haben. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass sich mit der Zeit zunehmend das "biologische Bild" von Papageien in den Köpfen der Vogelhalter festsetzen wird. Dann wird zumindest die Einzelhaltung hochsensibler Papageien eines Tages der Vergangenheit angehören. Wenn sich zudem noch der Naturschutzgedanke mit dem Wissen um die Einmaligkeit und Unwiederbringlichkeit vieler Papageienarten etabliert, werden vielleicht auch der leichtfertige Umgang, der schnelle Kauf und Verkauf von Papageien mit der Zeit unterbleiben und die Achtung vor der lebenden Kreatur als Naturerbe steigen.